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Viele Festivals kommen und gehen. Sea You ist geblieben. Das liegt zum einen an einer stringenten, zielstrebigen und perfekten Organisation, durchgeführt von hochengagierten Leuten ihres Fachs. Das liegt zum anderen natürlich am Line-up, und das ist kein bunt zusammengewürfeltes Sammelsurium an Acts diffusester Musikgenres, sondern ziemlich straight auf Techno und House ausgerichtet. Und zu guter Letzt ist ein wichtiger Erfolgsfaktor die Location. Hierzu hat man sich nicht etwa einen Flugplatz, einen brach liegenden Acker oder eine abgeranzte Industriehalle gesucht – nein. Die Wahl fiel auf ein Freiluftgelände inmitten von Mutter Natur: am Tunisee, zehn Kilometer nördlich von Freiburg im Breisgau. Eine traumhaft schöne Kulisse mit Blick auf den Schwarzwald. Eine optimale Infrastruktur, nahe der Autobahn A5 und im Länderdreieck Deutschland–Frankreich–Schweiz gelegen. Ein mild klimatisierter Badesee, der für zwei Tage im Juli Tausende Fans der elektronischen Musik anzieht. Dieses Jahr im Übrigen am 13. und 14. Juli.

 

Um so ein großes Festival erfolgreich umzusetzen, bedarf es natürlich einer gewissen Manpower. Und klar ist auch: Jedes große Festival hat einmal klein angefangen. So auch die Sea You „Beach Republic“. Ich habe mich mit den beiden Machern Bela Gurath und Daniel Schmidt im virtuellen Raum getroffen und mit ihnen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gesprochen.

 

Hallo, Daniel und Bela. Stellt euch den Lesern doch einmal kurz vor. Wer seid ihr, was macht ihr und welche Position habt ihr bei der Sea You?

Bela: Hi, Torsten. Ich bin Geschäftsführer und der Founder der Sea You. Ich halte den ganzen Laden und den Apparat am Laufen und bin in alle Themenbereiche voll involviert.

Daniel: Und ich kam 2015 dazu, bin ebenfalls Geschäftsführer und kümmere mich hauptsächlich um das Booking sowie um das Marketing.

 

Zeichnet doch mal eine kurze Historie. Wie und wann fing alles an und wie hat sich die Sea You im Laufe der Zeit verändert?

Bela: Ich habe diese wundervolle Location aufgetan und dann 2013 meine Kollegen und Freunde von Cosmopop gefragt, ob sie Lust hätten, gemeinsam etwas an diesem besonderen Ort aufzuziehen. Wir kannten uns zu dem Zeitpunkt schon seit über 15 Jahren. Heraus kam das Sea You Festival 2014, welches wir zusammen produziert hatten. Unser Ziel war es, ein Musikfestival mit internationaler Ausrichtung auf einem uns höchstmöglichen Niveau an den Start zu bringen. Nach dem ersten Jahr hat sich Cosmopop wegen einer veränderten Neuausrichtung zurückgezogen. Ich habe mich dann entschlossen, ohne die befreundeten Kollegen weiterzumachen, und deswegen ein neues Team um mich herum zusammengestellt. So kam dann unter anderem Daniel hinzu, den ich bereits von früheren gemeinsamen Events wie „Big Bang“ gut kannte. Mittlerweile sind wir ein neunköpfiges Team, welches sich hauptsächlich um die Sea You „Beach Republic“ kümmert. Natürlich hat sich manches verändert im Laufe der Zeit, aber eine sehr große Historie haben wir ja nicht. Wir gehen jetzt erst ins sechste Jahr und wenn man sich die Bilder aus Jahr Nummer eins und aus dem fünften Jahr ansieht, ist schon sehr viel passiert! Was zuerst auffällt: Wir sind gewachsen. Von anfangs drei Floors auf heute sieben Floors, von damals 20 000 Besuchern am Wochenende auf jetzt 40 000 Besucher am Wochenende. Zudem sind wir bedeutend vielschichtiger als in den Anfangstagen und decken ein breiteres Spektrum ab.

 

Die Sea You ist eins der wenigen großen Open-Air-Festivals mit einem reinen Techno- und House-Line-up. Kein Kommerz. Kein Mainstream. Wodurch grenzt ihr euch noch von anderen Events unter freiem Himmel ab?

Bela: Primär heben wir uns durch unsere doch relativ einzigartige Location ab. Ein wunderschöner Badesee, eingebettet in die Natur, mit freiem Blick auf den Schwarzwald. Bei wie vielen Festivals kann man am Wasser, im Wasser und auf dem Wasser tanzen? Vier von sieben Floors sind bei uns direkt am Wasser. Wir versuchen auch – ganz im Sinne der Gäste –, von Jahr zu Jahr einen Mehrwert in das Festival zu packen. Ein gutes Beispiel hierfür ist, dass man seit dem letzten Jahr kostenlos Wakeboard oder Wasserski fahren kann. Auch verstehen wir uns nicht nur als reines Musikfestival, sondern möchten unseren Gästen das perfekte Wochenende bescheren! Wir erzählen eine Story. Die Story der „Beach Republic“, des größten Beachclubs in Deutschland – und das versuchen wir von Jahr zu Jahr mehr auszuarbeiten und weiter in die Tiefe zu gehen.

Daniel: Wir haben uns ja irgendwann auch das Motto „Wir holen für zwei Tage und drei Nächte ein Stück Ibiza an den Tunisee in Freiburg“ auf die Fahne geschrieben. Beim Booking schauen wir also auch immer ein wenig darauf, dass wir ein paar der bekanntesten und angesagtesten Acts von der „Weißen Insel“ zu uns holen. Zu Gast waren in diesem Zusammenhang schon unter anderem Solomun, Marco Carola, Carl Cox, Richie Hawtin, Sven Väth, Jamie Jones, Tale Of Us, Luciano, Maceo Plex, aber auch Namen wie Black Coffee, Guy Gerber, Hot Since 82, Art Department, Kölsch und viele weitere. Das unterscheidet uns auch von anderen Festivals hier in Deutschland.

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Festivals gibt es wie Sand am Meer. Wie schwer ist es heutzutage, die Global Player der Szene zu bekommen? Ist alles nur eine Frage des Preises?

Daniel: Die letzten beiden Jahre haben uns in dem, was wir tun, sehr bestärkt. Inzwischen fragen viele renommierte Künstler von sich aus wöchentlich bei uns an, ob sie bei uns spielen können. Es ist auch erheblich einfacher geworden, die „Head-Headliner“ für uns zu begeistern. Geld muss natürlich ganz klar fließen, aber es ist jetzt eher eine zweitrangige Sache, wenn der Act oder Booker Lust auf ein Festival hat.

Bela: Es ist schön, zu sehen, dass wir manchen „Head-Headliner“ mittlerweile ankündigen dürfen, ohne dass wir den Vertrag unterschrieben haben oder dass Vorkassen geflossen sind. Das zeigt uns das Vertrauen, das wir inzwischen bei vielen Agenturen und Künstlern genießen, und es zeigt, dass wir vieles richtig gemacht haben in den letzten Jahren.

 

Jahr für Jahr gibt es Neuerungen bei der Sea You. Was ist 2019 neu?

Bela: Ja klar, da gibt es einiges. Es ist uns ein großes Anliegen, die Gäste jedes Jahr mit neuen Ideen und Specials zu überraschen. Für 2019 steht einiges auf dem Programm. So bekommen Stage 3 und Stage 5 komplett neue und sehr aufwändige Stage-Designs verpasst. Die VIP-Bereiche werden massiv aufgewertet. Im und auf dem Wasser planen wir Neuerungen. Wir steigen vom bisherigen Token-Bezahlsystem auf Cashless Payment um. Das Festival wird viele weitere Überraschungen für die Gäste bereithalten, doch mehr wollen wir an dieser Stelle noch nicht verraten.

Wo holt ihr euch die Inspiration, die Sea You alljährlich weiterzuentwickeln? Fahrt ihr selbst auf Festivals? Wenn ja: auf welche? Und wie seht ihr die „Konkurrenz“ zu anderen Event-Veranstaltern?

Bela: Ich reise gerne in Partymetropolen wie Ibiza, Mykonos usw. und hole mir dort so manche Inspiration. Ich bin inspiriert von der Nachhaltigkeit eines Tomorrowlands – jetzt aber nicht wegen der Musik (lacht) – und des Coachella Festivals. Es ist beeindruckend, wie sehr sich die Macher in die Tiefe denken und das dann auch umsetzen. Beispiel gefällig? Tomorrowland lässt sich eigene Mülltonnen anfertigen! Das haben wir in diesem Jahr auch aufgegriffen und soll nur als kleines Beispiel dienen. Zum Thema „Konkurrenz“: Ich habe jetzt nicht so das Konkurrenzdenken und pflege zu den meisten Veranstaltern ein sehr gutes und freundschaftliches Verhältnis.

Daniel: Ich bin grundsätzlich auch für ein Miteinander statt Gegeneinander. Es darf natürlich ein gesunder und fairer Wettbewerb herrschen. Denn Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. (lacht)

 

Festivals auf Flugplätzen gibt es nahezu ohne Ende. Ihr habt eine ganz besondere Kulisse als Location. Wie wichtig ist heute die Locationwahl in Kombination mit einem Top-Line-up?

Bela: Uns ist natürlich bewusst, dass wir mit unserer Location viele positive Alleinstellungsmerkmale haben. Doch darauf allein ruhen wir uns nicht aus. Wir geben viel Geld für ein international ansprechendes Programm sowie die Produktion aus. Einfach nur eine Bühne auf eine Wiese oder ein Feld zu stellen, ist schon sehr beliebig, da fehlt jeglicher Wow-Effekt. Da muss man sich mehr einfallen lassen, und das versuchen wir. Der Mix aus Location, Programm, Produktion und dem kompletten Umfeld sollte eben stimmen.

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Wie sieht eure Zukunft aus? Sind Sea-You-Ableger geplant – vielleicht an einem See in einem anderen Bundesland – oder eine Indoor-Ausgabe? Plaudert doch mal aus dem Nähkästchen.

Bela: Wie oben schon erwähnt, sind wir ein Team aus neun Leuten und haben noch Ressourcen. Wir bekommen Angebote, aber wir suchen das Spezielle, etwas, das auch Sea-You-like ist. Wir würden zum Beispiel nicht in ein Strandbad gehen, obwohl es sicherlich auch schön wäre, aber eben auch beliebig. Wir halten die Augen offen, können aber an dieser Stelle noch nichts Fundiertes sagen.

Daniel: Was die Zukunft angeht … Es gibt da auch ein spannendes Projekt, das ich kurz erwähnen möchte. Es gibt eine Vereinigung von neun beziehungsweise zehn der größten Beach-Festivals in Europa, bei der unsere Sea You „Beach Republic“ für Deutschland dabei sein darf. Das Ganze ist schon ziemlich konkret und bald soll damit an die Öffentlichkeit gegangen werden, erste Schritte sollen folgen. Wir freuen uns auch auf dieses ambitionierte Projekt.

Mainacts in alphabetischer Reihenfolge:
Adam Beyer – Amelie Lens – Alle Farben – AKA AKA feat. Thalstroem – Adana Twins – Ben Klock – Boris Brejcha – Dubfire – Deepend – Dirty Doering – Felix Kröcher – Jamie Jones – Jan Blomqvist (live) – Joyhauser – Klaudia Gawlas – Klingande – Kerstin Eden – Len Faki – Lost Frequencies – Lexy & K-Paul – Lovra – Maceo Plex – Monika Kruse – Marika Rossa – Marcus Meinhardt – Mausio – Neelix – N’to (live) – Niconé – Pan-Pot – Pappenheimer – Sam Paganini – Solomun – Sven Väth – Spartaque* – Thomas Schumacher – The YellowHeadz – Timo Mandl* – Two Pauz – Victor Ruiz – Vanita – YouNotUs (live)
*spielt zur Afterhour im Hans Bunte, Freiburg

Psychedelic Progressive Music Stage
Neelix – Blastoyz – Liquid Soul – Ace Ventura – Ghost Rider & Ranji – Fabio Fusco – Phaxe – Audiomatic – Hatikwa – Omiki – Interactive Noise – Morten Granau – Reality Test – Tripical – Bassforscher

Sea You „Beach Republic“ 2019 // 13.+14.07.2019 // Tunisee, Freiburg

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