Symbolbild


Monatelang standen bzw. stehen sie still, die Clubs, Diskotheken und Bars in Österreich. Doch dass trotzdem (illegal) gefeiert wurde und wird, steht außer Frage. Wegen strikter Auflagen und Kontrollen müssen die Partypeople in Coronazeiten allerdings außerordentlich kreativ werden. Die Autorin Rosa Schmitz hat sich für die „Luzerner Zeitung“ auf Spurensuche begeben und geheime Raves in Innsbruck besucht.

Bei der Recherche von Schmitz und ihrem Team wurde ihnen schnell klar, dass sich insbesondere Hohlräume in Autobahnbrücken perfekt für unbemerkte Partys eignen – nicht nur in Österreich. Denn schon den Eingang zu finden, sei „fast unmöglich“ gewesen, berichtet Schmitz. Letztlich habe man diesen nur wegen ein paar Rauchern, die wohl frische Luft schnappen wollten, gefunden. An jenem Samstagabend hatte die Autorin via WhatsApp eine Einladung zum besagten Autobahnbrücken-Hohlraum-Rave erhalten, der von Studierenden organisiert wurde.

Nachdem die exakte Location dank der Rauchertruppe ausfindig gemacht werden konnte, blieb noch zu klären: Wie kommt man überhaupt rein? Beim „Eingang“ handelte es sich schließlich um einen Luftschacht, der sich laut Schmitz rund drei Meter über dem Boden befand. Doch die Tür war geschlossen, unerreichbar und auch von einer Party sei noch nichts zu hören gewesen – bis sich die Falltür plötzlich öffnete und „ein verschwitzter Typ mit erweiterten Pupillen […]“ herausguckte und fragte, ob Rosa Schmitz und ihre Begleiter*innen teilnehmen möchten.

Mittels einer wackeligen Strickleiter ging es dann hinauf. Im Schacht herrschte wortwörtlich dicke Luft, dazu sei es warm und staubig gewesen, so Schmitz. Nach einigen Schritten durch die Dunkelheit – vorbei an Eimern, die als Urinal fungierten – hatte die Autorin dann aus der Ferne die ersten elektronischen Musikklänge vernommen. Noch wenige Meter und sie landete in einer tanzenden Menschenmenge – die Party war gefunden worden.

„Die Leute kommen her, um abzutanzen. Abstand halten, geht gar nicht. Scheint allen auch egal zu sein. Es wird geschwitzt, gejohlt, geschubst. Drinks haben die Partygänger reichlich mitgebracht. Einige sind sichtbar zugedröhnt. Fotos sind streng verboten“, berichtet Schmitz, die die dort getroffenen Corona-Schutzmaßnahmen für fragwürdig hält. Erst auf der Tanzfläche hätte jemand nach Nachweisen für einen der 3Gs (Getestet, Geimpft, Genesen) gefragt. Den meisten Feiernden wird das wohl egal gewesen sein. Sie wollen einfach wieder frei sein.

Am Sonntagmorgen gegen 5 Uhr ist die Party für Rosa Schmitz vorbei: „Uns wird es derweil doch zu eng. Nicht auszudenken, was hier passieren würde, wenn es zu einer Panik käme“, erklärt sie. Der Rave an sich ist jedoch noch lange nicht vorbei. Einer der Gäste steckt der Autorin, dass er schon seit Donnerstagmorgen dabei sei und plane, bis zum darauffolgenden Montag zu bleiben. Na dann: Rave On!

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Quelle: Luzerner Zeitung – ein Bericht von Rosa Schmitz