Das Statement veröffentlichte die Familie kurz nachdem der 56-Jährige Musiker, Produzent und DJ am Montag den Folgen einer Lungenembolie unterlag. Ohne Zweifel hat er mit Werken wie „Screamadelica“ von Primal Scream (und ihm als Produzent) oder zahlreichen Remixen die Grenzen zwischen Indie und Elektronik eingerissen, die Lagerzugehörigkeit in Genres aufgebrochen und einer ganzen Generation von „Boomern“ den Weg zu einer freigeistigen, idealistischen Karriere geebnet.

Dabei wollte Weatherall eigentlich Maler werden, doch nachdem er der Schule und dem Elternhaus verwiesen wurde, hielt er sich als Möbelschlepper über Wasser und kaufte von dem hart verdienten Geld, neue Platten für seine mit Herzblut geführte Sammlung. 

Eines Tages fragte man ihn, ob er nicht bei der legendären Londoner Clubnacht „Shoom“ auflegen wolle. Einzig seine große, bis dato gesammelte Plattensammlung erlaubte ihm, das in gestandener Form zu meistern und schnell über die Grenzen London Bekanntheit zu erlangen. Dabei hatte Weatherall mal wieder ganz andere Pläne. Fast zeitgleich startete er das Fanzine 
Boy´s Own, das retrospektiv als Sprachrohr der Lad Culture zu betrachten ist, zusammen mit Kontakten aus der Musik- und DJ-Szene.

“Wenn du nicht am Abgrund lebst, nimmst du zu viel Raum ein.” – Andrew Weatherall

Auch die ersten Versuche als Produzent kamen unerwartet. So fragte man ihn 1990 nach einem Remix für „Soon“ von My Bloody Valentine, worauf hin ihn das NME Magazin kurz darauf mit dem ersten Platz der „50 Best Remixes of all time“ krönte.

Im weiteren Verlauf der Neunziger remixte Andrew Weatherall dann unter anderem Songs für Björk, die Dust Brothers (aus denen die Chemical Brothers wurden), für Spiritualized, die Manic Street Preachers, später auch für Noel Gallagher’s High Flying Birds.

Am Dienstagabend bedankten sich die Familienangehörigen schließlich bei den zahlreichen Trauermeldungen der Fans weltweit.

“Lizzie, Bob und Ian möchten sich überall für ihre liebenswerten Botschaften und Hommagen an Andrew bedanken. Wir wissen, was für ein besonderer Mensch er war, und sind überwältigt von der Zahl der Menschen, die das auch wussten”, sagt die Familie. “Und ihre Geschichten zu hören und wie er sie beeinflusst hat, ist eine wahre Freude in einer so rauen und schrecklichen Zeit. Bitte tun Sie das, was er gewollt hätte… kreieren, zuhören, tanzen, aber vor allem Grenzen überschreiten.”

Auch zahlreiche Künstler, unter anderem das schottische Produzentenduo Slam, Ellen Allien, Sven Väth und viele weitere Künstler der internationalen Szene drückten Ihre Trauer aus.

So postete Slam beispielsweise ein gebrochenes Herz auf der Social-Media-Plattform Instagram.

“Thank you Andrew, Master of the Dark, you are here with us. You left us a big bag of music thank you!” (Ellen Allien)

“I am shocked!!! An old good companion, visionary, wonderful person and source of inspiration fpr many died this morning at the age of only 56! In thoughta with his family and relatives R.I.P. Sir Andrew Weatherall, forever in my heart.” (Sven Väth)

R.I.P auch nochmal von uns :-(

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Foto: Spencer Hickman/Tom McShane CC BY 2.0