Novys Welt – Mark Spoon (27.11.1966–11.01.2006)


 

Lieber Markus,

diesen Januar bist du nun genau 14 Jahre tot. Ich musste tatsächlich oft an dich denken in den letzten Tagen. Ich war im Dezember mal wieder bei Rave on Snow und vor allem dort habe ich mich an unsere Abenteuer erinnert. Das Hotel Kendler, wo wir uns damals ein Hausverbot nach einer wilden Afterhour im Spa-Bereich eingefangen hatten, existiert heute nicht mehr. Doch mir fiel wieder ein, wie wir nackt zur Rezeption gelaufen sind und nach mehr Schaumbad gefragt haben, obwohl der bereits meterhoch in den Gängen stand.

Ich habe jetzt viele liebe alte Freunde an dem Wochenende wiedergetroffen und ich hab mir vorgestellt, wie es wohl wäre, wenn du dabei gewesen wärst. Was wäre aus dir wohl geworden in den letzten 14 Jahren? Hätten wir weiter so viele Abenteuer bestritten? Wärst du heute auch „scheiße leise“ oder immer noch mein lieber Raubritter, der alles an sich reißt, wo immer er auch hinkommt?

Meine letzten zehn Jahre waren hart, wenn ich ehrlich bin. Oft hätte ich einen Freund wie dich gebrauchen können. In einem fremden Land gelebt, das nicht sehr gastfreundlich war, die Falsche geheiratet, noch ein Kind bekommen. Dann vier Jahre Scheidungskrieg und Kampf ums Sorgerecht und jetzt seit vier Jahren alleinerziehender Vater. Aber ich glaube, dass mein Sohn Maxi seinen Onkel Markus sehr gemocht hätte. Meine große Tochter Vivian hast du ja gut gekannt. Sie hat mich mittlerweile zum Opa gemacht. Stelle dir das mal bitte vor! Und das als DJ und alter Rock ‘n‘ Roller. Da hätte ich oft deinen meist unkonventionellen, aber dennoch herzlichen Rat gebrauchen können.

Ich denke allerdings, dass dir die Welt von heute nicht gefallen hätte. Ich glaube, dir wäre das alles nicht mehr echt genug gewesen. Facebook und Instagram hätten bestimmt ein paar aufs Maul bekommen. Typen wie du werden heute leider nicht mehr hergestellt. DJs und Künstler haben leider oft nur noch wenig Charisma. Und Gesamtkunstwerke wie du es warst, sind ausgestorben.

Ich weiß, dein Charakter war bei vielen umstritten und du bist vielen auf die Füße getreten. Ich hatte aber die Ehre, dich und dein großes Herz besser zu kennen. Und ich glaube auch deswegen kommst du mir nach diesen vielen Jahren immer wieder in den Sinn. Und ja, ich muss oft schmunzeln, wie wild wir waren. Viele meiner verrücktesten Abenteuer von damals hatten mit dir zu tun. Egal ob auf Ibiza in der Ausnüchterungszelle oder im Privatjet zur Time Warp. Was haben wir geravt.

Ein Bild von dir werde ich immer im Kopf behalten: Als wir auf Ibiza am Flughafen saßen, deine Freundin dich verlassen hatte und du so bitterlich geweint hast in meinen Armen.

Man Markus, mein Freund im Jenseits, was würde ich geben … Wärst du doch nicht so früh gegangen. In diesen Tagen sind echte Freunde und Menschen in unserem Geschäft sehr rar geworden, leider. Warum das so ist? Es ist alles nur noch ein riesiges Geschäft. Es geht jetzt ums große Geld. Es geht nicht mehr um Musik oder Spaß oder Gemeinschaft. Ehrlichkeit und Loyalität sind passé und es geht auch nicht mehr um Abenteuer. Leider.

Irgendwann, so hoffe ich, sehen wir uns wieder. Und bis dahin: Danke für die vielen Geschichten und Abenteuer, die wir erlebt haben. Sie werden mir bestimmt noch sehr oft ein Schmunzeln ins Gesicht und ein Lachen ins Herz zaubern.

 

Dein Tom

 

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Foto Mark Spoon: Universal