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Tom Novy2Hallo zusammen, heute melde ich mich mal von der allseits geliebten Technikfront.


Ich habe ja schon häufiger hinterfragt, ob Laptop-DJs noch richtige DJs sind, ob diese radikale Computerisierung überhaupt Sinn macht oder ob man nicht doch besser komplett zum Vinyl zurückkehren sollte. Väth lässt grüßen. Ich war sogar schon fast so weit, ganz neue, alte Wege einzuschlagen und Gitarrespielen zu lernen. Stattdessen jedoch teste ich für euch heute, hier und jetzt das neue Pioneer-Pult DJM-900SRT zusammen mit dem DDJ-SP1 Controller und der neuen Software Serato DJ.

Ich habe Serato Scratch schon immer eingesetzt, wenn ich eines meiner wenigen Oldschool HipHop-Sets zum Besten gab. Immer mit großer Freude übrigens – aber in diesem Serato-Falle geht es noch um etwas anderes. Es geht darum, das Vinyl-Feeling nicht nur originalgetreu aufleben zu lassen, sondern die Arbeit mit einem Digital Vinyl System (DVS) auf ein neues Level zu heben. Der unsexy Laptop wird dabei komplett in den Hintergrund gedrängt, wobei man dennoch Zugriff auf alle Features erhält, die das digitale Auflegen so spannend machen. Zwar ist es natürlich auch möglich, und für jüngere DJ vielleicht sogar naheliegender, die Turntables durch moderne CD-Units zu ersetzen. Ich jedoch war besonders begeistert von der innovativen Kombination „Alt meets Neu“.

Vorwegschicken sollte ich aus eigener Erfahrung, dass das, was jeden USB Stick-DJ so überaus nervt, das dämliche Rumgestecke und „Hallo, hier kommt der Laptop-DJ mit seinem Interface und vier Controllern -–ich mach jetzt mal die Party zunichte“ ist. Mit diesem kombinierten Pioneer-Setup ist das ab sofort Geschichte. Genau ein USB-Kabel muss ins Mischpult geführt und dann noch der Controller an den Laptop angeschlossen werden. Strom kann nach dem ersten Jägermeister angeschlossen werden. Das wars. Ein richtiger Club sollte übrigens als Basis-Setup immer zwei CD-Units, zwei Plattenspieler und einen solchen Mehrkanal bereit halten. Dazu noch einen guten Laptopständer, und schon ist der Abend, zumindest aus DJ-Sicht, geritzt. Ohne Umsteckterror. Ohne Palaver. Ohne Stress. Soviel zum Aufbau.

Der Pioneer-Mixer DJM-900SRT besitzt die bekannten und beliebten Pioneer Sound Color FX-Tasten, die Filtereinheiten, den X-Pad Fingerstrip sowie die Tap-Funktion, die man für die Beat-Effekt-Wahlschalter benötigt. Das ist ja mittlerweile Standard in so gut wie jedem Club. Das Schöne an dieser Serato Special-Edition ist, dass man seine alten und neuen Vinylscheiben mit seinen digitalen Tracks gemischt auflegen kann. Einfach nur oben den Umschalter betätigen und alles ist tutti. Mich persönlich freut der Gedanke, nun alte Vinyls mit neuer Technik verbinden zu können. Auch ist man nicht mehr gezwungen, seine analogen Scheiben mühevoll zu digitalisieren. Damit fängt man ja immer wieder mal an, gibt aber spätestens nach dem dritten Schwarzen schon wieder völlig angenervt auf. Ein zusätzlich schönes Feature ist, dass man den Fader-Start von allen vier Kanälen und Decks auslösen kann. Fader hoch und der Track rennt – und zwar immer exakt ab dem festgelegten Punkt. Das kann der Trackanfang sein oder jeder sonstige, als Cue definierte Punkt. Der DJM-900SRT schlägt endlich eine Brücke zwischen der besten Software und Hardware auf dem Markt.

Softwareseitig gibt es ebenfalls einige Neuerungen. Das neue Serato DJ kann jetzt beispielsweise vier Decks gleichzeitig abspielen. Hinzu kommt eine Vielzahl neuer und richtig guter Effekte von iZotope. Die Virtual Deck- Area zeigt sich perfekt aufgeräumt. Die BPM-Geschwindigkeit und Zeit ist jetzt auch für fast Blinde gut ablesbar. Auch wurden die Cue Point- und Loop Area-Sektionen optimiert. So kann man nun acht Cues oder aber acht Samples komfortabel erkennen und einrichten. Ferner verfügt der Sample Player über zwei verschiedene Ansichten und wird über den Edit Grid editiert. Auch auf die Samples lassen sich die großartigen iZotope-Effekte anwenden.

Im Grunde sieht das alles bis hier hin bereits richtig gut aus. Auch wenn ich mich zwei Tage intensiv damit beschäftigen musste, bevor ich alles so richtig im Griff hatte. Als ausgesprochener CD- und USB Stick-DJ musste ich mich im Folgenden dann besonders an die Arbeit mit dem zusätzlichen Controller DDJ-SP1 gewöhnen. Aber auch diese Herausforderung habe ich gerne angenommen – und siehe da: der Erfolg stellte sich sehr schnell ein, ohne dass der Spaß verloren ging. Der DDJ-SP1 ist der erste Controller für Serato überhaupt und wird ebenfalls ganz simpel über USB angeschlossen.

Links und rechts befinden sich die gleichen Komponenten in spiegelbildlicher Anordnung. Mit seinen acht Pads pro Seite lassen sich Hot Cues abrufen, Samples abfeuern, Rolls setzen oder mit der Slice-Funktion sogar passgenaue Teile extrahieren, um den laufenden Track mal eben zu remixen. Oberhalb der Pads gibt es einen Sync-Knopf, damit alles perfekt „in time“ bleibt. Und nicht etwa, um mixunfähigen DJs den Hintern zu pampern. Die zwei Effektsektionen ganz oben auf jeder Seite bieten wiederum Zugriff auf eine Vielzahl von Effekten. Drei Effekte lassen sich pro Seite zuordnen und individuell regulieren. In der Mitte findet man die Browser-Abteilung, um die Decks oder aber Effekte zuordnen zu können. Nebenbei ist der DDJ-SP1 der erste Controller, der auch einen Video Control Mode besitzt.

Das Gute an diesem Mixer-plus-Controller-Setup ist die sehr gelungene Kombination aus intuitivem DJing und zukunftsweisender Technik – ohne dass es überladen oder technikfixiert wirkt. Mit dem Controller tritt die Arbeit am Laptop in den Hintergrund und man kann sich voll auf die Party, den Club und die Tanzfläche konzentrieren. Und vor allem unmittelbar auf das Publikum reagieren, da man nicht den ganzen Abend gezwungen ist, wie ein Zombie auf den Laptopscreen zu starren.

Natürlich erfordert das alles wieder ein wenig mehr Übung zum Beherrschen der entsprechenden Skills. Skills – ihr erinnert euch? Ein Begriff, der mal den Wert eines DJs mit definierte, aber im Dance inzwischen so gut wie ausgestorben scheint. Dabei ginge es doch mal wieder darum, die Spreu vom Weizen zu trennen. Und ein Gefühl dafür zu bekommen, welcher DJ etwas auf dem Kasten hat und welcher nicht. Und ich meine damit nicht die Track-Auswahl – um heftigen Diskussionen gleich wieder vorzubeugen. Sicherlich werde ich auch im stillen Kämmerlein noch ein bisschen üben, bevor ich damit auf Tour gehe. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass Pioneer und Serato hier genau den Schritt in die richtige Richtung gesetzt haben, da sie das alte Feeling mit neuer Technik ideal zusammenführen.

Die leidige Diskussion um Safe the Vinyl oder Digital DJing ist für mich damit beendet. Vorerst.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Euer Tom

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Pioneer DDJ-SP1
DJ Midi Controller
Vier-Deck-Steuerung
2 x 8 gummierte LED-Pads
2 x 8 Cue-Punkte
Sync. mit sechs Slots
7 Modi: Hot Cue, Slicer, Roll, Sampler, Hot Loop, Auto Loop und Manual Loop
Velocity Mode
Slip Mode
Slicer-Funktion
FX Knobs und Buttons
direkter Zugriff auf 30 iZotope-Effekte
Preis: 399 EUR

Pioneer DJM-900SRT
Vierkanal-Mixer für Serato DJ
Eingebaute Soundkarte 96 kHz/24-bit (Serato-zertifiziert)
10 cm-Bildschirm
3-Band-Isolator-EQs
Beat-Effekte (32-bit): Delay, Echo, Spiral, Reverb, Trans, Filter, Flanger, Phaser, Robot, Melodic, Slip Roll, Roll, Reverse Roll
„On Play“-Warnung bei abspielendem CDJ
Auto-BPM-Zähler
Regler Effekt-Lautstärke/-Intensität
Rekordbox Quantize
Roll Sampler (Fwd und Reverse)
Twin LFO
X-PAD Strip
MIDI/HID: 61 zuweisbare Controls

Eingänge:
6 x CD/LINE (RCA)
2 x PHONO (RCA)
4 x S/PDIF Digital (RCA)
1 x Digital (LAN) (Pioneer Link)
1 x MIC (6,3 mm Klinke)
1 x MIC (XLR/6,3-mm-Kombo)
1 x Send/Return (6,3-mm-Klinke)

Ausgänge:
1 x Master (XLR)
1 x Master (Cinch)
1 x Monitor (6,3mm Klinke)
1 x Rec-Ausgang (Cinch)
1 x Digital (Koaxial)
1 x S/PDIF Digital (RCA)
1 x USB-B1
1 x Midi-Out (DIN)
Preis: 2.199 EUR

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www.pioneer.de

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