Aktuell ist zwar dieses Jahrzehnt mein Lieblingsjahrzehnt, da so viele tolle Sachen passieren, aber ich finde eigentlich die Nuller-Jahre spannender, da besonders in dieser Zeit musikalisch viel los war, was mich bis heute prägt und ich Mitte des Jahrzehnts herum angefangen habe, zu produzieren.

 

Dein Lieblingstrack:

Matthew Herbert – The Audience
Da gibt’s natürlich so viele und es ist hart sich auf einen einzigen Track festzulegen aber das Album „Bodily Functions“ von Matthew Herbert war für mich ein Meilenstein. Zu der Zeit bin ich immer mal nach Berlin gefahren und hab dort Platten gekauft. Ich weiß leider nicht mehr, in welchem Plattenladen ich da war, aber ich erinnere mich, dass sich neben mir zwei Typen in den höchsten Tönen über dieses Album unterhielten. Also hab ich mir die Platte angehört und dieser Sound hat mich direkt krass fasziniert – der Pop-Appeal dieser Platte, der Umgang mit den Vocals und trotzdem war alles so fresh. Ich glaube, ich hab noch keinen Track so oft gespielt wie „The Audience“. Da gibt’s diese Stelle, wenn hinten das Piano einsetzt – das funktioniert bei mir jedes Mal. Irgendwann waren meine Freunde sogar schon richtig genervt davon.

Der schlimmste Track:

Boogie Pimps – Somebody To Love
Der Track lief irgendwann mal auf MTV und ich weiß noch genau wie ich richtig geschockt war, als plötzlich das Sample von Jefferson Airplane einsetzte und ich dachte: „Ey, das können die doch nicht bringen!“ Klar, ich arbeite auch mit Samples, aber das war für mich eine ganz neue Dimension von Dreistigkeit. Und dann dieses Video mit diesen komischen Typen, die einen auf „Fear and Loathing in Las Vegas“ machen und diese inszenierte Poolparty. Das war alles so augenscheinlich falsch. Ich war kurz davor, die Polizei anzurufen.

Deine Lieblingssoftware:
Ich habe gegen Mitte der Nuller-Jahre mit dem Produzieren angefangen und bekam von einem Freund Fruity Loops, zusammen mit eine paar Sample-Kits und fertigen Loops. Natürlich habe ich erstmal die Loops reingeknallt und dachte mir in dem Moment: „Krass, das ist ja einfach Musik, zu produzieren!“ Erst als ich die Loops verballert hatte wurde mir klar, dass es dann doch nicht so leicht war. Das war der Startschuss und ich konnte es immer kaum abwarten, aus der Uni zu kommen, um an Beats zu basteln und mir die Nächte um die Ohren zuschlagen. Recht schnell bin ich dann aber auf Logic umgesattelt mit dem ich heut noch produziere.

Dein Lieblingskleidungsstück:

War eigentlich gar nicht meins. Meine damalige Freundin hatte eine schwarze Jacke zum Reinschlüpfen mit einer großen Fell-gefütterten Kapuze – ich kann die jetzt auch nicht besser beschreiben. Wir waren zu der Zeit immer auf Drum’n’Bass-Partys und manchmal durfte ich die Jacke tragen – damit habe mich dann so UK-mäßig gefühlt. Die Jacke war eben megacool für die Zeit.

Dein schlimmster modischer Fauxpas:

Eine Kombination aus einer kurzen Carhartt-Hose, die so gerade übers Knie ging und die aussah, als ob man zwei Trompeten an den Beinen hatte. Außerdem ein knallenges und gelbes Shirt, bei dem ich immer ein wenig den Bauch einziehen musste. Gekrönt wurde das Ganze von einer viel zu großen und weißen Gürtelschnalle.

Deine Jugendsünde:

Das Einzige, was ich mir bis heute nicht verzeihen kann, ist, dass ich manchmal nach Partys angetrunken selbst nach Hause gefahren bin. Es waren meist keine weiten Strecken und es ist nie etwas passiert, aber das war einfach nur richtig dumm.

Dein Lieblingsfilm:

„O Brother, Where Art Thou?“

Ich kann mich zwar nicht mehr an den Moment erinnern, als ich den das erste Mal gesehen habe, aber zu der Zeit hab ich diesen Film so oft geschaut. Und ständig den Soundtrack gehört – „Man Of Constant Sorrows“ hatte mich da voll erwischt. Ich liebe den Blick, den die Coen-Brüder aufs Leben haben.

Deine Lieblingsserie:

Nicht meine Lieblingsserie, aber eine ganz besondere war für mich „Desperate Housewives“. Wir hatten in unserer WG einen Fernseher auf dem wir einmal in der Woche zusammen „Desperate Housewives“ und danach „Pushing Daisies“ geschaut haben. Keine Ahnung, warum gerade diese Serien, aber das war ein schönes Ritual.

Dein persönlicher Held:

Mein Opa Manfred, was für ein cooler Typ! Ich könnte jetzt ewig über ihn und das, was er für mich bedeutet, schreiben. Aber nur soviel: Er ist für mich ein Vorbild in Sachen Menschlichkeit. Er war immer für mich da, war aufmerksam, hatte einen klaren moralischen Kompass und all das durchzogen mit einem spitzbübischen Humor.

 

Noch mehr Flashback:

Cari Lekebusch – Flashback in die 90er
Dompe – Flashback in die 90er
Sandrien – Flashback in die 80er
Dan Ghenacia – Flashback in die 80er
Niko Schwind – Flashback in die 90er
Flashback in die 80er – Eva Be
Flashback in die 90er – Housemeister
Flashback in die 2000er – Ruede Hagelstein
Flashback in die 2000er – Pappenheimer
Flashback in die 90er – Andrea Oliva
Flashback in die 90er – Nicolas Bougaïeff
Flashback in die 90er – Pascal Feos
Flashback in die 2000er – Christian Löffler

Flashback in die 90er – Sascha Dive
Flashback in die 90er – Machinedrum

Flashback in die 80er – Booka Shade 
Flashback in die 90er – Oliver Koletzki 
Flashback in die 80er – Bebetta
Flashback in die 90er – Dusty Kid
Flashback in die 80er – Trentemøller
Flashback in die 90er – Mathias Kaden

 

Panthera Krause hat am 15. November sein Debütalbum „It’s A Business Doing Pleasure With You“ auf seinem Label Riotvan veröffentlicht.

www.pantherakrause.com

Aus dem FAZEmag 093/11.2019