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Mit dem DDJ-RB schickt sich Pioneer an, den Markt günstiger DJ-Controller ein wenig umzukrempeln. Denn bei dem DDJ-RB handelt es sich um den ersten rekordbox-tauglichen Controller in der Round-about-250-EUR-Klasse. Pioneer kommt seinem Plan, DJs jeder Art – ob CDJ-, Schallplatten-, Controller- oder DVS-User – ein umfassendes, mehr oder weniger in sich geschlossenes System aus einer Hand zur Verfügung zu stellen, damit einen Schritt näher.

Out of the box
Ich packe den DDJ-RB aus und bin mir im ersten Augenblick sicher, dass Martin von Pioneer mir das falsche Gerät geschickt hat. Das soll der neue „Billig-Controller“ sein? Hier muss ein Irrtum vorliegen. Denn das, was hier vor mir steht, sieht einfach zu gut und hochwertig aus für den Preis. Aber letztendlich steht es in großen Lettern auf dem Chassis: Performance DJ Controller DDJ-RB. Das Layout des Controllers ist recht übersichtlich gestaltet und kommt – wenig überraschend – im typischen Pioneer-Look.

Die insgesamt zwei Decks sind überschaubar aufgebaut. Die Jogwheels aus Aluminium sind mit einem Durchmesser von 128 mm merklich kleiner als die der CDJs oder der größeren DJ-Controller, gehen aber von der Haptik her vollkommen in Ordnung. Oberhalb der Jogwheels befinden sich jeweils die selbsterklärende Steuereinheit für die Effekte von rekordbox sowie der Pitchfader. Dieser kommt mir mit einer Länge von gerade mal 4 cm dann aber doch etwas zu kurz geraten vor. Na, mal sehen, wie der sich in der Praxis zu behaupten weiß. Unterhalb der Jogwheels gibt es noch die mittlerweile fast obligatorischen Pads zum Antriggern und Steuern von Cue-Points, Slices usw. Derer gibt es pro Deck acht. Hinzu kommen die Play/Pause-, Stop-, Sync- und Loop-Tasten. Spartanischer geht es kaum.

Die Mixer-Einheit punktet ebenfalls mit ihrer selbsterklärenden Übersichtlichkeit. Pro Kanal gibt es hier Regler für Trim, Höhen, Mitten, Tiefen und Filter sowie einen Linefader. Lautstärkeregelungen für Master und Kopfhörer, Zuweisungstasten für den Kopfhörer und natürlich der Crossfader runden diesen Bereich ab. Darüber befindet sich ein Poti zur Navigation innerhalb der Library nebst Tasten zum Laden von Tracks in die beiden Decks.

Anschluss gesucht
In Sachen Ein- und Ausgänge hält es der DDJ-RB ganz nach der alten Faustregel „weniger ist mehr“. Auf der Rückseite finden sich ein USB-Anschluss, ein Master-Ausgang (Cinch) sowie ein Mikrofon-Eingang (6,5-mm-Klinkenbuchse) mit Lautstärkeregler. Detailliertere Regelungen für den Mikro-Eingang, zum Beispiel 3-Band-EQ oder Effekte, laufen direkt über die rekordbox-Software. Das nenne ich mal vorbildlich! Einen AUX-Eingang oder Ähnliches sucht man unterdessen vergebens, sollte man in dieser Preisklasse aber auch nicht unbedingt erwarten – außer man nimmt qualitative Abstriche in Kauf. Auf der Vorderseite wartet eine 3,5-mm-Klinkenbuchse sehnsüchtig auf die Miniklinke eines attraktiven Kopfhörers.

rekordbox dj
Ich installiere rekordbox dj auf meinem Macbook und fühle mich sofort wie zu Hause. Die GUI ist klar aufgebaut und lässt kaum Fragen offen. Alles befindet sich an den zu erwartenden Stellen und funktioniert einwandfrei. Nachdem die Entwickler bei Pioneer vermutlich rund 20 Jahre der Feldforschung in Sachen DJ-Software hinter sich haben, verwundert das auch recht wenig. Umschaltbare Darstellungen für zwei oder vier Decks mit horizontalen oder vertikalen – was ich nie verstehen werde – Wellenformen, eine recht individuell anpassbare Library sowie ein- und ausblendbare Ansichten für Effekte, Sampler und Mixer entsprechen dem, was man 2016 von einer durchdachten DJ-Software erwartet. Mittlerweile als Standard geltende Funktionen wie Slip-Mode, Mastertempo und Quantize-Modus gibt es in rekordbox dj ebenso wie einstellbare Verlaufskurven von Cross- und Linefadern oder die Möglichkeit zur Umschaltung des Equalizers zwischen EQ und Isolator. Die Analyse der Tracks läuft dank der einstellbaren bpm-Range vortrefflich. Leider werden existierende Cue-Points aus anderen Programmen nicht übernommen, müssen also neu gesetzt werden. Die Software liest die iTunes-Library und ist zudem kompatibel mit Pulselocker. Und natürlich ist auch die Vorbereitung von Tunes, die später auf dem USB-Stick landen und per CDJ abgespielt werden, möglich.

In the mix
Nach kurzer Eingewöhnungszeit läuft das Arbeiten mit dem DDJ-RB und rekordbox dj wie am Schnürchen. Das Mixen macht einfach Spaß und entspricht weitestgehend der Arbeit mit CDJs und DJMs. Nur eben in etwas kompakterer Form. Die Sync-Funktion funktioniert und synchronisiert und selbst das Mixen über den kurzen Pitchfader geht zuverlässig vonstatten. Das liegt zum Teil am Pitch-Bereich von +/- 6 % (statt der gewohnten +/- 8 %), welcher den verkürzten Pitch halbwegs rechtfertigt. Etwas tricky wird es nur bei Tracks mit höherer bpm-Zahl. Schließlich sind 6 % von 175 bpm merklich mehr als 6 % von 120 bpm. Entsprechend schwieriger gestaltet sich also das Finetuning. Übrigens kann der Pitch-Bereich auch auf +/- 10, 16 und wahnwitzige 100 % umgestellt werden. Die Wellenformen sind entsprechend der Frequenzen eingefärbt. Hier hätte ich mir eine Möglichkeit der Veränderung der Farben bei Betätigung des EQs gewünscht, wie man es von Serato DJ kennt. Klanglich ist der DDJ-RB ein typisches Pioneer-Gerät: Der Sound ist recht klar, dabei aber, wie zu erwarten, nicht sonderlich charakteristisch. Beim Test werde ich allerdings das Gefühl nicht los, dass der Master-Ausgang leistungsmäßig vergleichsweise schwach auf der Brust ist, was für den Gebrauch zu Hause oder auf kleinen Events allerdings kein sonderliches Problem darstellen dürfte.

Summa summarum
Der Pioneer DDJ-RB gehört zu den wenigen Geräten, die ich nach dem Testen gerne behalten möchte. Nicht weil der Controller für mich persönlich eine Alternative zu meinen 1210ern wäre – das wird so schnell nicht passieren. Aber die Arbeit mit rekordbox dj macht schlicht und ergreifend Spaß. Die Software läuft stabil und ist trotz der vielen Funktionen und Möglichkeiten superübersichtlich aufgebaut. Viel besser geht es einfach nicht. Der DDJ-RB selbst hat mich, insbesondere für einen Controller seiner Preisklasse, mehr als überzeugt. Die Ausstattung ist funktionell, aber ausreichend und bis auf zwei Kritikpunkte – den kurzen Pitchfader und die Ausgangsleistung – gibt es an dem Controller für mich nichts zu meckern. Die Verarbeitung ist top und macht trotz des Kunststoffgehäuses einen sehr guten Eindruck. Wäre ich heute auf der Suche nach dem bestmöglichen Controller für unter 300 EUR, ich wüsste, welchen ich nehmen würde! / Feindsoul

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Aus dem FAZEmag 053/07.2016