Fotocredit: Kaj Lehner


Inmitten der Pandemie, an der viele Ladeninhaber*innen sich die Zähne ausbeißen, ist in München ein neuer Schallplattenladen entstanden. Trotz Lockdown und begrenzter Kunden-Einlass-Kapazitäten läuft Riviera Records auf Hochtouren und beschert der Hauptstadt Bayerns eine Adresse, an der man Vinyl, Mode, ausgewählte Bücher und exklusives Merchandise bekommt. Genretechnisch ist das Vinyl-Angebot vielfältig, denn grundlegend findet man hier fast alles rund um elektronische Musik. Wir waren neugierig und haben David Hornung, einer der Verantwortlichen von Riviera Records, ein paar Fragen zu seinem neuen Plattenladen gestellt.

Fotocredit: Kaj Lehner

Hey David, möchtest du dich kurz vorstellen?

Mein Name ist David Hornung, ich bin 28 Jahre alt und komme eigentlich aus dem Sportbereich. Vor und während meines Studiums habe ich mehrere Veranstaltungsreihen ins Laufen gebracht und dadurch meine Leidenschaft für das Medium Vinyl und elektronische Musik entwickelt.

Wer steht hinter dem Laden außer dir als Ladenbesitzer?

Gegründet haben Andi und ich den Laden als Pop-up-Store im November letzten Jahres. Anfangs haben wir alle Aufgaben unter uns aufgeteilt. Mittlerweile arbeiten wir mit einem kleinen, überschaubaren Team, in dem man sich gegenseitig unterstützt.

Was hat dich dazu veranlasst, einen Plattenladen in München aufzumachen? Warum gerade zu dieser für den Einzelhandel ungünstigen Zeit? 

Die Idee eines Plattenladens trage ich schon sehr lange mit mir herum. Konkret wurde es, als Andi und ich in langen Unterhaltungen bemerkt haben, dass wir beim Konzept eines Plattenladens die gleichen Vorstellungen haben – und so haben wir das Fass zum Rollen gebracht. Während der Corona-Zeit 2020 bekamen wir dann die Möglichkeit, unser Konzept als Zwischennutzung in Form eines Pop-up-Stores vier Monate auszuprobieren. Wir waren über den immensen Zuspruch so begeistert, dass wir dann auch weiter machen wollten.

Wo hast du früher als Musik-Begeisterter immer Platten gekauft?

Für mich sind Plattenläden immer der erste Anlaufpunkt bei Städtetrips, egal wo. Hier bekommt man in der Regel immer gute Tipps und hat am Ende auch noch ein persönliches Andenken dabei.

Was hast du für einen Geschmack wenn es um elektronische Musik geht und wirkt sich dieser auf euer Inventar aus?

Das finde ich immer schwer einzugrenzen. Als DJ natürlich Clubsound, aber als Hörer bin ich für beinahe jedes Genre offen. Aber natürlich wirkt sich auch mein persönlicher Geschmack auf das Ladeninventar aus – vor allem bei den Neuerscheinungen.

Was verkauft ihr für Platten?

Abgesehen von den neuen Releases decken wir ein breites Spektrum ab: von Techno, Acid Trance, Progressive über Deep House, IDM, Minimal, Elektro, Breakbeats bis hin zu Experimental und Ambient.

Woher bezieht ihr eure Secondhand-Sachen?

Secondhand-Ware beziehen wir bislang über Sammlungen, für die wir auch gerne mal in andere Städte fahren. Wer etwas verkaufen möchte, kann sich gerne bei uns melden ;-).

Wie verkauft ihr aktuell Platten, da ja die Corona-Restriktionen es dem Einzelhandel erschweren, Kund*innen in die Lokalitäten zu lassen?

Momentan läuft viel über unseren Online-Shop und über Discogs. Wer möchte, kann aber gerne mit einem über unsere Webseite gebuchten Slot und einem negativen Corona-Test im Laden physisch durch die Platten stöbern.

Könnt ihr Discogs viel abgewinnen und seid ihr dort mit eurem gesamten Inventar vertreten?

Discogs bietet für uns die Möglichkeit, auch international Kund*innen zu erreichen. Wir haben aber nur einen kleinen Teil unserer Platten gelistet, da wir das Erlebnis für unsere Kund*innen vor Ort doch am schönsten finden.

Wie ist die Vinyl-Szene in München und wie sieht eure Kundschaft aus?

In den ersten Wochen waren wir echt erstaunt, wie viele sich für Platten interessieren. Ich würde sagen, da war wirklich alles dabei: DJs, Musikbegeisterte, Einsteiger*innen, jung und alt. Das ist auch wirklich schön zu sehen, dass es sich hier auch nicht um einen kleinen, elitären Kreis handelt.

Was für Genres kaufen eure Kund*innen am meisten?

So vielfältig unsere Kundschaft ist, so unterschiedlich sind auch die Stilrichtungen. Da gibt’s natürlich Tendenzen, aber ein klarer Favorit zeichnet sich nicht ab.

Warum sollte man sich noch Vinyl kaufen?

Vinyl ist in meinen Augen viel persönlicher. Hier wägt man viel stärker ab, welche Platte man sich kauft. Auch das haptische Erlebnis gibt dem ganzen einen viel emotionaleren Wert. Ich glaube, auch aus Sicht eines Labels macht man sich viel mehr Gedanken um das Gesamtpaket von Grafik bis Mastering als bei einem digitalen Release.

An welchen anderen Projekten arbeitet ihr momentan noch so?

So langsam zeichnet sich ja doch nun ein Licht am Ende des Tunnels ab. Wenn hier alles gut läuft, werden wir Ende des Sommers ein kleines, aber feines Riviera-Camp in Italien veranstalten ;-).

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www.rivierarecords.de/
www.discogs.com/de/user/rivierarecords
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