pionner nexus cdj-2000 djm-900 nxs2



Tatsächlich sind schon wieder vier Jahre vergangen, seit Pioneer seine runderneuerte Nexus-Flotte vorstellte. Und die ohnehin nur noch spärlich am Markt vertretene DJ-Tool-Konkurrenz bekommt in Anbetracht der optimierten NXS2-Generation nun wirklich ein Problem. Auch wenn die Monopolisierung vielleicht nicht jedem schmeckt, muss man zugestehen: Was die innovativen Funktionen, vor allem aber das technische Zusammenspiel der hauseigenen Geräte betrifft, sind die Japaner uneinholbar weit davon gezogen.

Natürlich existieren speziell im Mixerbereich immer noch hervorragende Alternativen, allen voran Allen & Heath und Rane. Nur bauen diese keine Media-Player und gesonderten Effektgeräte. Gerade das Konzept der problemlosen Integration und Interaktion verschiedener Pioneer-Tools macht den Hersteller derzeit einzigartig. Das wird bereits deutlich, wenn man wie wir ein Basis-Setup bestehend aus CDJ-2000 NXS2 und DJM-900 NXS2 testet. Einmal vernetzt, hat man gar nicht mehr das Gefühl, mit separaten Tools zu arbeiten. Es verschmilzt zu einer kreativen Einheit, vergleichbar mit einem modular aufgebauten Instrument. Eines, das sich – als weitere Abgrenzung zu beispielsweise Serato/Rane – auch komplett ohne Software betreiben lässt. Bislang konnten Fans alternativer Pulte zumindest noch das Argument ins Feld führen, dass ihre einfach edler klingen. Mit der NXS2-Generation hat sich aber auch das erledigt und dürfte die Mitbewerber weiter in die Enge treiben. Dabei ist Klang nur eines der zahllosen Details, die Pioneer nachjustierte.

CDJ-2000 NXS2: Der Sumo-Player
Ein Mobil-Tool ist der CDJ-2000 ja ohnehin nie gewesen. Im Vergleich zum Vorgänger legt der NXS2 jedoch noch einmal etwas zu. Nach hinten raus ist der Multi-Player um rund einen Zentimeter gewachsen, in der Höhe misst er nun 11,3 statt 10,6 cm und liegt somit genau auf einer Linie mit dem DJM-900 NXS2. Am deutlichsten hat der Pioneer-Neuling jedoch an Gewicht gewonnen: Ein Kilogramm mehr deutet auf eine abermals verbesserte Qualität bei den Komponenten hin. Eine Vermutung, die sich bei unserem Test bestätigen sollte. So wirkt beispielsweise das jetzt chromgefasste und seitlich beleuchtete Jogwheel hochwertiger denn je.

Das große Display: Jetzt noch größer
Die am stärksten ins Auge fallende Veränderung stellt jedoch das um mehr als zwei Zentimeter auf sieben Zoll vergrößerte Touch-Display dar. Umfassender als zuvor dient es nicht nur der Anzeige praktisch aller Parameter und Tack-Informationen inklusive der jetzt mehrfarbig dargestellten Wellenform. Die Einstellungen lassen sich auch in erweiterter Form direkt „on screen“ verändern. Dabei sind nicht nur der Wellenform-Zoom und das Navigieren unverändert möglich. Auch der Track-Search und das Setzen der virtuellen Nadel erfolgen nun über das Touch-Display. Der noch beim Vorgänger eigens dafür angelegte Hardware-Touch-Strip ist somit Geschichte. Um einen gewünschten Titel schneller auffinden zu können, wurden zudem einige Zusatzfunktionen aufgenommen. So zum Beispiel eine vollständige, alphanumerische Display-Tastatur, die per Eingabe die gesuchten Titel listet. Oder auch der Track-Filter, der anhand der Tonart, bpm-Geschwindigkeit oder eines anderen vergebenen Tags vergleichbare Songs heraussucht. Der Zugewinn an Bedienkomfort ist sofort spürbar – und keine Angst: Der kapazitive Bildschirm reagiert exakt und verzögerungsfrei bereits auf den geringsten Druck. Gleichzeitig ist er gegenüber Feuchtigkeit und Staub weit unempfindlicher, als man es von Smartphone-Displays kennt.

Gelöst: Die Krux mit dem Klang
Ist bereits der Baustein Media-Player klanglich nur mittelprächtig, kann selbst bei Einsatz eines Spitzenmixers am Ende kein überwältigendes Sound-Ergebnis stehen. Das nahmen sich die Japaner zu Herzen und statteten den CDJ-2000 NXS2 mit höherwertigen Bauteilen aus. Darunter eine 24-bit/96-kHz-Soundkarte, ein neuer Prozessor sowie eine verbesserte Digitalausgabe. Analoges Rauschen wird zudem durch den neuen 32-bit-D/A-Wandler von Asahi Kasei sowie eine separate Stromversorgung minimiert. Der DJ kann aber auch seinerseits dazu beitragen, dass der Klang schlussendlich in bestmöglicher Qualität durch die Boxen drückt. Denn ab sofort erlaubt der CDJ den Einsatz von FLAC- und Apple-ALAC-Files. Verlustfreie Formate, die sich zumindest im Profi-DJ-Bereich zunehmend durchsetzen. Der deutlich erhöhte Speicherbedarf sollte in Zeiten dreistelliger GB-USB-Sticks keine Rolle mehr spielen. Als Anhaltspunkt: 100 CDs belegen als Free Lossless Audio Codec rund 40 GB. Der Anschluss einer Festplatte ist beim CDJ natürlich ebenfalls unverändert vorgesehen.

Weitere Nettigkeiten
Die Bedienung des CDJ-2000 NXS2 ist mit der des Vorgängers so gut wie identisch. Lediglich kleine, aber sinnvolle Verbesserungen wurden vorgenommen. So lassen sich jetzt insgesamt acht statt nur vier Hot-Cues einrichten, die LED-farblich mit der in rekordbox eingerichteten Hot-Cue-Farbgebung korrelieren. Zudem können feinere Quantisierungen bis zu 1/8 Beat vorgenommen und Loops gecuttet werden. Positiv herauszuheben ist zudem der neue, dedizierte „Shortcut“-Button am Display-Encoder, mit dem sich beispielsweise die Browser-Ebene ohne Umweg ansteuern lässt.

DJM-900 NXS2: Die neue Klanggewalt
Der natürliche Mixing-Counterpart(ner) zum CDJ ist seit nunmehr 20 Jahren der DJM. Das bewährte Grundkonzept der vier Kanäle plus Effektsektion wurde auch beim DJM-900 NXS2 erhalten, auch wenn er in puncto Digitalqualität und kreativer Flexibilität den Urahnen natürlich komplett in den Schatten stellt. Vor allem die Vernetzung der Komponenten war früher noch absolut undenkbar. Diese erfolgt bei beiden Tools über den Pro-DJ-Link. Der 900er bringt jedoch nicht den Anschlusskomfort des größeren Bruders DJM-2000 NXS mit: Er besitzt statt vier nur einen Ethernet-Anschluss. Wer also beispielsweise zwei CDJs synchronisieren möchte, muss den Umweg über eine externe Netzwerklösung gehen. Zumindest zwei DJ-Links wären auch beim DJM-900 NXS2 wünschenswert gewesen. Dafür hat Pioneer an anderer Stelle nachgelegt, denn die eingebaute Dual-USB-Soundkarte erlaubt – wie beispielsweise bei Rane – den unabhängigen Anschluss von zwei Laptop-Systemen. Darüber hinaus lassen sich bis zu vier Turntables oder Line-Signalgeber über die vergoldeten Cinch-Ins einbinden. Geräte mit einem Digital-Ausgang, wie eben den CDJ-2000 NXS2, bindet man selbstredend über einen der vier ebenfalls vorhandene DJM-Digital-Ins an. Die Kanalzuweisung – Laptop 1 oder 2, Digital, Line, Phono oder Effektweg – erfolgt klassisch über den oberseitigen Selektor pro Kanal.

Im Rausch der Effekte
Die Effekte sind seit jeher das größte Pfund des DJM, da macht auch der 900 NXS2 keine Ausnahme. Fangen wir beim externen Effektweg an: Einen klassischen Stereo-Send/Return-Weg im Klinkeformat brachte ja schon das Vorgängermodell mit. Der NXS2 glänzt nun mit der Option, alternativ auch über USB Effekte oder Instrumente einschleifen zu können – beispielsweise in Gestalt einer App auf einem Tablet. Der Umschalter für Klinke oder USB befindet sich in der Send/Return-Sektion auf der Bedienoberfläche. Ebenfalls erweitert wurde die Beat-FX-Abteilung. Mit dem vergrößerten X-Pad lassen sich nun zum einen insgesamt 14 verschiedene Typen aktivieren und per Fingerstreich im Parameterverhalten editieren. Ein hochauflösendes OLED-Display zeigt dabei unmittelbar an, welche Effekte aktiviert sind. Zum anderen – und das ist wirklich eine kleine Sensation – kann über Hi/Mid/Low-Buttons eingestellt werden, auf welche Frequenzbereiche sich der eingestellte Effekt auswirkt.

Das Beste zum Schluss: Der Klang
Mag man dem DJM bislang noch eine gewisse Sterilität im Klang unterstellt haben können, erweist sich die Generation 900 NXS nun auch in diesem Punkt formvollendet. Das liegt maßgeblich im 64-bit/96-kHz-Audiointerface mit hoch entwickelter Dithering-Technologie und Jitter-reduzierter Taktung begründet. Zusammen mit den ebenfalls verbesserten Vorverstärkern und Ausgangsschaltkreisen sorgt das neue Digitalaufgebot für einen hörbar dynamischeren, persönlicheren und volleren Sound ohne hörbares Rauschen. Klanglich spielt der DJM-900 NXS2 in der absoluten Oberliga mit, sowohl was den druckvoll warmen Grundsound als auch die Effekte betrifft.

Dream-Team zum Nightmare-Preis
Es war zu befürchten – und die Vorahnung tritt leider auch ein. Sowohl den CDJ-2000 NXS2 als auch den DJM-900 NXS2 gibt es nicht zum Schleuderpreis. Im Vergleich zu den Vorgängern satteln die Japaner noch einmal ordentlich drauf: So kostet der Player stolze 2.229 EUR, der Mixer 2.249 EUR. Ob es sich lohnt? Schon allein in Anbetracht des deutlich verbesserten Sounds ein eindeutiges: Ja.

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www.pioneerdj.com

Aus dem FAZEmag 051/05.2016