Fotocredit: Sebastian Szenrok


Aufgrund des anhaltenden Pandemie-Lockdowns ist die Clubszene weiterhin stillgelegt. Das Kölner Bootshaus meldet sich aus der aktuellen Lautlosigkeit mit einem Release namens „The Sounds Of Bootshaus“ zu Wort, das in Zusammenarbeit mit dem Resident-DJ Gourski entstanden ist. Daniel Gourski war in seinem Studio immens kreativ und hat mittels 50 verschiedener Tonspuren, die er mit einem portablen Recorder aufgenommen hat, ein neues Kunstprojekt auf die Beine gestellt, das die aktuell kritische Lage der gesamten Szene widerspiegelt. Der Track besteht beinahe ausschließlich aus natürlichen Sounds, die der Produzent dem leergefegten Club entlockte. Es sind unter anderem Kühlschrank-, Eismaschinen-, Garderoben- und Becher-Geräusche in dem Stück zu hören. Selbst das Zischen der CO2-Kanone wurde in der Musikproduktion intelligent verbaut. 

 

Das Projekt, von dem es zusätzlich ein kostenloses Making-of-Video geben wird, dient als Mittel, um den aktuellen Stillstand, der im Bootshaus seit fast einem Jahr vorherrscht, zu betonen. Ferner ist natürlich auch Gourski als Fulltime-Produzent und DJ von der momentanen Situation betroffen. So erzählt er von seiner Intention zur „The Sounds Of Bootshaus“-Veröffentlichung: „Ich wollte diese Zeit in einer künstlerischen Fassung dokumentieren und interessierte mich vor allem für Orte, an denen sich die Klangkulisse durch die Corona-Krise verändert hat. Dabei habe ich nicht nur an Innenstadt-Atmosphäre gedacht, sondern auch an viele weitere belebte Orte, die vorher voller Aktivität und Energie waren, wie z. B. das Bootshaus.“

Fieldrecordings in elektronischer Musik zu integrieren, ist nicht unüblich. Jedoch lädt Gourski auf seinem YouTube-Kanal ganze Musikvideos hoch, auf denen er seine Produktionen zur Schau stellt, die zum überwiegenden Teil aus Aufnahmen natürlicher Klangereignisse bestehen. Einen Song nur aus Blechdosen oder gar Kaktusnadeln kreieren? Kein Problem für Daniel. Begonnen hat bei ihm alles mit dem Erwerb eines Live-Recorders, den er sich ursprünglich zur Aufzeichnung seiner DJ-Sets zugelegt hatte. „Es hat eigentlich alles zufällig angefangen, als ich mir einen kleinen Audio-Recorder gekauft habe, um meine DJ-Sets live aufzunehmen. Mit der Zeit nahm ich aber immer mehr Sounds aus meiner Umgebung auf, woraus dann irgendwann ein Beat entstanden ist, indem ich die Töne mehrerer Kaktusnadeln für die Lead-Melodie verwendet habe.“

Die Jagd nach Klängen sei ein Ausgleich zum Studioalltag, da er so außerhalb der eigenen vier Wände neue Eindrücke von seiner Umwelt sammeln kann, erklärt Gourski. Die Video-Produktionen seien eine stetige Herausforderung, da er immer darum bemüht sei, die Musik und das Visuelle synchron in Einklang zu bringen, um das Resultat für seine Zuschauer*innen ansehnlich und unterhaltsam zu formen. „Die Tracks, die ausschließlich aus den Fieldrecordings bestehen, veröffentliche ich meist mit einem Clip, in dem die Klangquellen synchron zum Video gezeigt werden. Die größte Herausforderung hierbei ist, das Musikstück sowie das Video maximal interessant zu gestalten, es dabei aber ineinander stimmig wirken zu lassen und bestenfalls alle Sounds visuell darzustellen. Wenn man alleine unterwegs ist, ist es oft schwierig, das Audio- und Videomaterial zeitgleich aufzunehmen.“

„The Sounds Of Bootshaus“ erscheint mit Unterstützung von #musikdurstig (Warsteiner) in einer limitierten Auflage von 100 Exemplaren auf Vinyl und beinhaltet neben dem Track von Gourski auch die 50 Original-Tonspuren, die er im Rahmen seiner Fieldrecording-Session im Bootshaus aufgenommen hat.

Daniel Gourski bedankt sich beim Bootshaus für die Offenheit und bei seinen beiden Kollegen Vlad und Basti, die ihn bei dem Unterfangen kameratechnisch begleitet haben.

 

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Aus dem FAZEmag 109/03.2021
Text: Niklas Fust
Fotos: Sebastian Szenrok
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