Liebe FAZEmag-Leserin, lieber FAZEmag-Leser,

alles ist gut, solange man einfach nur produziert. Wenn dann aber der Mixdown für den Track ansteht, werden viele Anfänger schnell unsicher. Wie immer in der Musikproduktion gilt: know your tools! Damit ist vor allem eure DAW gemeint, aber auch die Effekte und Plug-ins, mit denen ihr im Prozess arbeitet. In diesem Artikel erklären wir euch drei essentielle Funktionen von Ableton Live Tools, die euch helfen werden, eure Tracks schneller und mit besseren Ergebnissen abzumischen. Doch vorher noch ein paar grundsätzliche Worte zum Thema Mixing und Workflow.

 

Mixing on the Fly vs. Mixdown als finalen Prozess

Es gibt letztlich zwei Methoden, wie ihr Workflow-technisch an den Mixdown herangehen könnt: „On the Fly“ meint, dass ihr schon im Produktionsprozess auf Pegel, Leveling, Tiefenstaffelung, Stereofeld und Frequenzverteilung achtet. Bei der anderen Herangehensweise werden diese Dinge erst einmal ignoriert und die Konzentration liegt eher auf Komposition, Sounddesign und Arrangement. Bei den meisten Producern vermischen sich diese beiden Methoden und die Grenzen verwaschen: Wo hört produzieren auf und wo fängt Mixing eigentlich an?

Das muss jeder für sich selbst wissen, denn es ist eine subjektive Workflow-Frage. Dennoch ist es zu empfehlen, die Sounds on the Fly etwas vorzumischen. Wenn ihr schon beim Kreativprozess ein Problem bemerkt, könnt ihr es sofort eliminieren und müsst euch hinterher nicht mehr in die Spur rein denken.

Es gibt auch Mixdown-Entscheidungen, die euren kompletten Track beeinflussen können. Daher klärt man diese Fragen besser vorher als hinterher. Ein Beispiel: Zwei Sounds in eurem Track harmonieren einfach nicht miteinander. Egal, wie ihr sie mit dem Equalizer bearbeitet, sie funktionieren nicht zusammen. Ihr wollt aber gerne beide Sounds in eurem Projekt verwenden. Was könnt ihr tun? Trick 17 ist in diesem Fall, dass man die Sounds nicht gleichzeitig spielen lässt, sondern nacheinander. Diese Methode nennt man auch „Call & Response“-Prinzip und ist sehr weit verbreitet. Ein Sound sagt etwas und der andere gibt eine Antwort. Solche Entscheidungen, die grundlegend das Thema des Tracks verändern können, sollte man so früh wie möglich im Prozess fällen.

Gain Staging mit Utility

Wenn man im Flow produziert, neigt man oft dazu, einen Effekt nach dem anderen auf die Kette zu werfen. Drei verschiedene Distortion-Tools oder mehr sind bei Techno-Produktionen keine Seltenheit. Das führt aber oft zu einem großen Problem: Das Signal kommt übersteuert im Ableton-Mixer an und unerwünschte Verzerrungen und Artefakte sind das Ergebnis. Hier hilft Gain Staging. Das bedeutet, dass ihr den Ausgangspegel mittels Gainregler wieder auf den Wert des Eingangspegels bringt. Die Distortion soll euer Signal schließlich verzerren und nicht lauter machen. Checkt also immer die Peaks eures Signals bevor ihr ein neues Effekttool an die Kette hängt und auch danach. Wenn euer Signal aufgrund des Effekts zum Beispiel um drei Dezibel lauter wird, senkt ihr mit Utility (Gain) den Pegel nach dem Tool wieder um drei Dezibel ab.

Resampling

Oft verwaschen Hall- oder Delay-Fahnen, die dort gar nicht sein sollten, bei Anfängern den Mix. Hier gibt es wieder einen einfachen Trick, mit dem ihr solche Probleme on the Fly verhindern könnt: mit Resampling! Gerade bei selbstgebauten Techno-Kickdrums mit ordentlich Rumble ist Resampling essentiell für den Druck und auch das Durchsetzungsvermögen der Kick. Wenn man den Rumble mit Reverb, Delay und High-Cut-Filter selbst erzeugt, ergeben sich zwei Probleme: Das erste Problem betrifft den Rumble selbst. Der rollt nämlich erst nach ein paar Takten so, wie man sich das gedacht hat. Das kommt dadurch, dass Delay und Reverb etwas Zeit brauchen, um sozusagen in Gang zu kommen. Wenn ihr aber eure Kick mehrere Takte lang aufnehmt, könnt ihr euch ein Stück herausschneiden, in dem der Rumble flüssig läuft. Schneidet genau einen Schlag aus eurer Aufnahme und zieht den geschnittenen Kickschlag in einen neuen Sampler oder Simpler. Jetzt könnt ihr mit der geresampelten Kickdrum eure Midis setzen.

Mit der Methode habt ihr auch gleich das zweite Problem ausgelöscht: Die meisten von euch werden die Kick nämlich nicht durchgängig auf die 4/4 setzen, sondern ab und zu kleine Fills einbauen, in denen die Kick mal doppelt schlägt oder ähnliche Spielereien arrangieren. Dabei wird meistens nicht bedacht, dass man den Rumble so gebaut hat, dass er nur auf einer Viertelnote funktioniert. Mit dem oben beschriebenen Resampling-Verfahren hat man dieses Problem allerdings nicht. Wenn ihr eure geresampelte Kick in einem Sampler oder Simpler verwendet, könnt ihr mit den Midis Fillerstrukturen einbauen und der Rumble wird immer funktionieren. Insgesamt räumt diese Methode euren Mix auf, denn Hallfahnen, die durch die Produktion des Rumbles überstehen, wurden abgeschnitten und die Kick drückt auch bei Fillerpassagen auf jeden Schlag gleich.

 

Auto Pan Sidechain

Um den einzelnen Schlägen der Kickdrum noch mehr Platz einzuräumen, wird oft ein Sidechain-Signal angelegt. Dazu nimmt man ein Sidechain-fähiges Tool wie zum Beispiel den Ableton Compressor und bestimmt damit, welcher Pegel von welchem Signal geduckt wird. Es gibt aber noch eine andere Methode bei der das Sidechain-typische Pumpen auf eine andere Art und Weise erzeugt wird. Für diesen Trick nehmt ihr den Ableton-Effekt Auto Pan zur Hand. Normalerweise nutzt man das Tool, um beispielsweise Shaker automatisiert von rechts nach links wandern zu lassen.

Wir benutzen Auto Pan an dieser Stelle aber für einen anderen Zweck: Wir lassen ein Pad immer auf die Viertelnoten der Kickdrum pumpen, sodass die Kick schön abgetrennt im Mix erscheint und sich gut durchsetzen kann. Ihr legt dazu Auto Pan auf eure Pad Spur und schaltet von Hertz (Hz) auf Notenwerte (Notensymbol). Die Phase dreht ihr runter auf 0, denn ihr wollt diesmal keine Rauminformationen aus dem Tool herausholen. Die Rate stellt ihr auf 1/4, dann schaltet ihr von Normal auf Invert und wählt die Sägezahn-Wellenform. Mit Amount und Shape könnt ihr jetzt etwas herumspielen und ausprobieren, welche Einstellung euch am besten gefällt. Testet es doch mal in eurem aktuellen Projekt aus und hört euch den A/B-Vergleich zu einem Sidechain-Compressor an. So könnt ihr am besten einschätzen, ob der Auto-Pan-Trick zu eurer Stilistik passt. Diese Methode könnt ihr übrigens nicht nur bei Pads, sondern bei allen Sounds und auch Drums anwenden.

 

Wenn euch diese Mixing-Tipps gefallen haben und ihr mehr über elektronische Musikproduktion erfahren wollt, dann schaut auf SINEE.de vorbei! Dort findet ihr Kurse, Templates, Ableton-Live-Racks und vieles mehr. Ihr seid komplett neu in der Welt der Musikproduktion? Kein Problem, unsere liebevolle und aktive Community wartet auf euch in unserer Facebook-Gruppe oder auf unserem Discord-Server. Hier bekommt ihr Hilfe und Feedback zu euren Tracks und könnt euch mit Gleichgesinnten über eure aktuellen Projekte austauschen.

 

Das könnte dich auch interessieren:
SINEE – Tipp des Monats: Techno der 90er
SINEE – Tipp des Monats: High Tech Minimal produzieren
SINEE – Tipp des Monats: How to make a track – 140 bpm Techno
SINEE – Tipp des Monats: 8 Jahre FAZEmag
SINEE – Tipp des Monats: Basiswissen Effekte
SINEE – Tipp des Monats: Sounddesign-Tricks für professionelle Kick-Drums
SINEE – Tipp des Monats: Mixdown leicht gemacht

www.sinee.de

Text: Fabienne von Canal