Eigentlich müsste man hieraus einen Zweiteiler machen (1990er und 2000er), aber da ihr mich als Musiker befragt, entscheide ich mich für die Zeit von 1990 bis 2000. Das waren in musikalischer Hinsicht zehn unglaubliche Jahre für mich: Vom fast einzigen Metalhead auf dem Gymnasium zum Grafik-Designer und Hamburger Elektro-DJ. Ich könnte ein ganzes Buch über diese Zeit schreiben.

 

Toll war an den 1990er-Jahren vor allem, dass das Internet noch nicht so weit entwickelt war. Tape-Trading, stundenlange Fahrten zu Konzerten und Plattenläden: Musik hatte damals noch einen ganz anderen Stellenwert. Du warst nicht „Hardcore“, nur weil du dir ein paar MP3s geladen und ein Suicidal-Tendencies-T-Shirt bei Ebay gekauft hast. Musik hatte seine Rituale und man musste sie leben. Ich hatte fast nichts anderes im Kopf außer Musik machen und hören. Das Jahrzehnt hatte es musikalisch einfach drauf und das meiste Zeug davon höre ich heute noch gerne. Es war eine wilde Reise von Thrash Metal zu Grunge über Britpop bis hin zu Black Metal. Schließlich bin ich dann beim Techno gelandet – irgendwo auf einem illegalen Rave in einem Wald bei Berghain. Alles gelebt und nicht gegoogelt.  

 

Dein Lieblings-Track/Song: Da kann ich mich unmöglich festlegen. Vorher müsste ich monatelang Listen schreiben und die Auswahl mit mir ausdiskutieren. Einer meiner Favoriten ist allerdings „Little Furry Things“ von Dinosaur Jr. Den habe ich ca. 1990 in einem Skate-Video gehört. J Mascis und Dinosaur Jr. waren eine Zeit lang meine absoluten Idole. Im Jahre 2000 bin ich mit der Originalbesetzung von Dinosaur Jr. im Shuttle Bus zu unseren Gigs auf dem Benicàssim Festival gefahren – das war ein echtes Highlight.

Der schlimmste Track oder Song: Sowas merke ich mir nicht. Wozu auch?

Dein Lieblings-Musikinstrument/Software/Tool: Fender Jaguar, Big Muff und Orange

Dein Lieblings-Kleidungsstück: Vans Sk8 Hi – die trage ich seitdem ich 15 bin und auch jetzt gerade in diesem Moment.

Dein schlimmster modischer Fauxpas: Habe ich nicht. Wenn es passt, geht alles. Man muss es nur tragen können – Cowboy-Hut oder rote Creepers? Warum nicht? Über meine Dreadlocks könnte man allerdings noch einmal sprechen … naja.

Deine Jugendsünde: Ein Auftrittsverbot meiner Band im Rhein-Erft-Kreis, weil unser Publikum Stage Diving mochte, die Vertreter der Stadt Bergheim aber nicht. Und ich konnte meine Klappe nicht halten.

Dein Lieblingsfilm: Gummo

Deine Lieblingsserie: Die Simpsons

Dein persönlicher Held: Tad Doyle

Am 27. November veröffentlichte Ascii Disko das Album „Death Comes Running: Unreleased and Rare 2000 – 2006“ auf Icon Series.

 

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