Jeder, der sich in Deutschland mit elektronischer Tanzmusik auseinandersetzt, ist schon auf den Augsburger Rainer Weichhold getroffen. Sei es in seiner Funktion als Chef von DJ-Propaganda, A&R und Labelmanager von Great Stuff Records, Macher von Kling Klong Records oder einfach bei seinen DJ-Gigs. Neben seinen DJ-Coaching-Seminaren gibt Rainer Weichhold nun auch in FAZEmag jungen Produzenten jeden Monat Tipps, was sie beachten sollten, wenn sie den inneren Drang verspüren, in der großen weiten Welt der Musikindustrie ihr Glück zu suchen. Kontaktiert Rainer gerne direkt unter rainer@klingklong.com!

Nachdem man nun ein Label gefunden bzw. sein eigenes Label gestartet und einen Vertrieb an Bord hat, steht die Promotion des Releases auf dem Plan. Promotion bedeutet zu versuchen, dass Meinungsmacher in den Medien (Presse, Radio, Blogs, TV) und bei den DJs über eine Veröffentlichung berichten, diese spielen, auflegen, charten oder sonst ins Gespräch bringen. Im besten Fall kann sich dadurch ein Hype entwickeln, der sich positiv auf die Nachfrage nach dem Künstler/Label/Release auswirkt. Es ist also technisch gesehen eine Form des Marketings, die den Vorteil hat, dass sie relativ kostengünstig zu erledigen ist (im Vergleich zu anderen möglichen Marketingaktivitäten wie Fußballstadion-Werbung, Litfasssäulen-Plakatierung oder Kinospots).

Im Klartext bedeutet das, dass diese Journalisten, Radio-Redakteure und DJs vor Veröffentlichung umsonst Musik, Artwork und Infos/Pressetext zugesandt bekommen, natürlich so gestaltet und aufgemacht, dass sie dazu unkompliziert Zugang bekommen und Feedback geben können. Da wo man früher Vinyls und CDs per Post verschickt hat, kann man heute das Meiste ja online erledigen, was im Vergleich zu den alten Tagen natürlich wesentlich kostengünstiger ist.
Wichtigster Punkt hierbei ist, dass die Promo ganz gezielt nur an diejenigen rausgeht, die soundmäßig auch sicher was damit anfangen können. Also kein Funky House an Armin Van Buuren, kein Trance an Luciano, kein Techhouse an das Rolling Stone Magazin etc. Ansonsten landet man gleich auf deren Spam-Liste.

Mit Hilfe von Online-Promotools (wie z.B. FATdrop) kann man sich ganz easy selbst seinen Promo-Aussand mit Cover, Pressetext und natürlich den Soundfiles zusammenbauen und verschicken. Sobald der bemusterte DJ ein Feedback eingetragen hat, wird ihm automatisch der Track zum Download freigeschaltet und er kann ihn sofort runterladen und spielen.
Wenn man selbst nicht die richtigen Kontakte und Drähte hat, dann kann ich nur empfehlen, einen der zahlreichen anerkannten Promo-Pools zu nutzen. Für jeden Style gibt es da die richtigen Spezialisten, denen die bekannten DJs und Journalisten vertrauen und deren E-Mails auch tatsächlich wahrgenommen werden. Wir sprechen da über ca. 150 bis 250 EUR pro Maxi, die sich auf jeden Fall lohnen und die man investieren sollte. Möglicherweise kann dir dein Vertrieb Tipps geben, mit wem man gut arbeiten kann, bzw. bietet dein Vertrieb selbst auch einen eigenen Promo-Pool an.

Von der Promoagentur bekommst du dann schon ca. eine Woche nach Aussand einen ersten Bericht, in dem du die bisherigen Reaktionen der bemusterten DJs sehen kannst. Diese Ergebnisse braucht dann dein Vertrieb ca. zwei Wochen vor Veröffentlichung, damit dieser bei seinen Shops ankündigen kann, was für ein Mega-Release ansteht. Im Idealfall also Feedbacks einflussreicher DJs, Radioplays von Pete Tong, Plattenkritik im FAZEmag, Millionen-Plays des Videos bei YouTube … Gerade neue Labels und unbekannte Künstler können diese Aufmerksamkeit gut gebrauchen, um aus der Masse der Veröffentlichungen herauszustechen.

In der Januar-Ausgabe: Was macht die GVL?

Rainers Ratgeber:
Teil 1: Das richtige Demo
Teil 2: Der richtige Demoversand
Teil 3: Der richtige Plattenvertrag
Teil 4: Das Benutzen von Samples
Teil 5: Brauche ich die GEMA?
Teil 6: Brauche ich einen Verlag?
Teil 7: Wie gründe ich ein eigenes Label?
Teil 8: Die Sache mit den scheinbar von der GEMA gelöschten YouTube-Videos
Teil 9: Der Vertrieb deines eigenen Labels?