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Novys Welt 

…hat schon vor Jahren der überaus coole bayerische Schauspieler Wolfgang Fierek gesungen und 11 Wochen in den Charts damit verbracht. Viel früher hat ein ECHTER Rock’n‘Roller gesagt: „At first the guitars gave us the chicks!“ Keith Richards von den Rolling Stones hatte damit nicht so unrecht. Viele von uns könnten getrost das ‚guitars‘ durch ‚turntables‘ ersetzen, und es würde passen. Man könnte sagen, dass es für mich so eine Art Credo der 90er gewesen ist. Danke Girls!

Kommen wir aber zum heutigen Thema: Der kleine dumme armselige Laptop DJ. DU Opfer. Du kannst einem ja echt leid tun. Nicht, dass ihr jetzt aufschreit und mir zuruft, dass dies die Zeichen der Zeit sind. Weit gefehlt meine Lieben. Ich habe gar nichts dagegen, wenn ein Jazzy Jeff seine Plattenspieler über den Computer mit Sound versorgt oder wenn ein Richie Hawtin jedes seiner Sets zum Liveact macht. Hiervon will ich nicht reden. Nein, ich meine die Armee von untalentierten Schwachmaten, die in den Club kommen und eine Stunde vor ihrem Set bei dem Vorgänger-DJ anfangen, herum zu stecken und aufzubauen. Laptop hier, Controller da, Effekte dort, Stromverlängerung unterm Tisch. „Kannst du bitte mal kurz zur Seite gehen“… Fick Dich Laptop DJ!

Mal ernsthaft, aber was glaubt ihr, was ihr alle macht? Ihr ladet euch auf Beatport die Top Ten runter und lasst sie dann per Controller und Beatsync zusammen mischen? Und dann seid ihr DJs und am besten noch Weltstars mit Attitüde (in Fachkreisen auch kurz WMAs).

Ich hatte neulich das Vergnügen, zwischen genauso zwei Vollidioten auflegen zu müssen. Die Namen (beide sind einigermaßen bekannt) bleiben hier lieber ungenannt, denn es ist völlig unerheblich, weil sich die Menschheit eh‘ nur höchstens noch ein halbes weiteres Jahr an euch erinnern wird – so schlecht seid ihr. Das DJ-Team vor mir war auch noch zu zweit. Ich habe nie verstanden, warum zwei Jungs die Arbeit EINES Mannes verrichten müssen. Das ist so albern. Wie auch immer, als ich kam, war von den DJs gar nichts zu sehen. Alles, was man von der Tanzfläche sehen konnte, war der 17“ Laptop mit seinem leuchtenden Apple Zeichen. Wow, hier legt der Computer auf, dachte ich mir. Das Szenario hinter dem Rechner war nicht viel besser. Zwei hagere Nerds mit Laptopgesichtern die gleichzeitig am Controller rumdrehten. Alle 20 Sekunden ein Effekt und so. Na, wenn das die Musik besser macht, dann bitteschön. Leider war dem nicht so. Es liefen die Beatport Top Ten und das auch noch schlecht, da beim einen oder anderen Track selbst der Computer nicht viel machen konnte, um es gut klingen zu lassen.

Als die Jungs fertig waren, gab es erst einmal die Absteckorgie. Das Pult in dem Club war ziemlich unzugänglich und so wurde dann erst mal ohne Taschenlampe alles andere auch ausgesteckt. Es herrschte Stille im Club. Und zwar ganze fünf bis sieben Minuten. Somit waren ihre letzten 15 Peaktime- und Handsup-Nummern auch noch voll fürn Arsch. Nach ca. 7 Minuten Stille fing ich an. Umso besser dachte ich mir, dann haben die Leute wenigstens den Lärm von den zwei Deppen nicht mehr  im Ohr. Spielzeit für den Novy: 2 Stunden! Nach einer Stunde kam der nächste Laptop-Spacko an und fing an sich auszubreiten. Neben mir stehend und unter mir kniend kasperte er los. Das Schmankerl war, dass er sogar zwei Laptops hatte und zwei Controller und zwei Effektgeräte. Ich fragte ihn, was er hier wolle und was er da mache. „Ich bin um halb vier dran“ war seine Antwort. Ich erwiderte „Du bist erst um vier dran und wir haben jetzt 20 vor drei!! Verpiss dich!“ Er schaute mich mit großen Augen an und verschwand. Leider kehrte er nach 20 Minuten mit dem Promoter wieder. Wie eine kleine Petzte versteckte er sich hinter ihm und schickte ihn vor. „Was ist los Tom?“ fragte er. „Der Schwachmat nervt mit seinem Rumgehampel. Ich will ihn hier nicht haben, wenn ich spiele. Er soll aufbauen, wenn ich fertig bin. Ich spiele eine lange Platte zum Schluss, dann hat er Zeit. Ganz einfach!“

Gesagt getan stand der Gute um halb Vier schon wieder hinter mir und wurde sichtlich nervös. Meine letzte Platte war ca. 8 Minuten lang und er fing sofort an, wie ein Wilder herum zu stecken. Leider erwischte er zweimal meinen CD-Player, so dass mitten im Schlussbreak mal wieder die Musik weg war. Mittlerweile schwer genervt von meinen „Kollegen“ und vom Promoter verließ ich den Club. Diesmal aber mit einem guten Vorsatz.

Liebe Laptop DJs,

es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn ihr euch Technik zum Tool macht. Solange ihr die Regeln und eure Kollegen respektiert, ist alles tutti. Leider gibt es von euch viel zu viele, die glauben, sie sind Mega-DJs, aber noch nicht mal zwei Platten in einander mischen können. Keiner von euch war je in einem Plattenladen, sondern geht nur auf Beatport, um sich Playlisten und Charts runter zu laden. Hinzu kommt noch, das ihr auch noch euren mies produzierten eigenen Mashup- oder Remake- Dreck auf die Leute los lasst und allen erzählt, ihr seid die neuen Guettas und Awells. Euch braucht, um ehrlich zu sein, mal gar keiner. Weder die Industrie noch die Clubber. Denn ihr seid nur eine Plage für die Szene. Ein wucherndes Geschwür, das viele von uns gerne los haben wollen. Ihr seid wie die Lemminge. Warum tut ihr uns allen nicht den Gefallen und stürzt euch kollektiv von der Klippe!

Und zu guter Letzt:

Liebe Clubber,

bitte seid so lieb und lasst euch keine Musikbox in euren Club stellen. Bitte haltet ein wenig fest an Tradition und dem guten alten DJ. Er wird gerne mit euch feiern und sich alle Mühe geben, euch einen schönen und unvergesslichen Abend zu bereiten.

Den wenn ihr nicht darauf achtet, werden bald nur noch die Rechner in euren Clubs stehen und keine Gesichter oder Menschen, die euch durch den Abend begleiten. DJing ist ein Handwerk und hat mit Emotionen und viel Feingefühl zu tun. Mit Musikverständnis. Mit Erfahrung und Charisma. Jeder, der ein Laptop besitzt, kann heute auflegen, aber nur erschreckend wenige von den Jungs sind wirkliche DJs. Achtet mal drauf!

Wir sehen uns in der Laptop-DJ-Hölle!! Sollte noch mal einer meinen CD -Player ausstecken hau ich ihm gleich eine … J

Euer Tom

P.S.:  Hier noch die Top drei um so einen Plagegeist los zu werden:

  1. Drink in den Computer. „Ups sorry das tut mir echt voll leid. Hier ist es aber auch eng“
  2. Selbstgebaute Magnetfeldröhre. Passt in jede Hosentasche und zerstört garantiert jede Festplatte – wenn stark genug. Ist ein bisschen radikal aber beim dritten Mal geht’s das beim Laptop-DJ auch ins Geld und ihr seid ihn erst mal los bis sein Baby aus der Reparatur kommt.
  3. Die meisten von den Jungs sind hagere Nerds. Wenn sie nerven, hilft immer die gute alte bayrische „Watschn“ und schon läuft er heim zur Mami

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