Novys Welt 05/2012 – FAZE 003

In letzter Zeit wird über das Musikbizz, das Internet, die Urheberrechte etc. heftig gestritten.  Man glaubt gar nicht, wie viele verschiedene Meinungen so unterwegs sind. Als ich neulich mal einen Pro ACTA-Post auf meiner Facebookseite machte, entbrannte eine wilde Diskussion, die am Schluss nicht mehr wirklich viel mit dem Post zu tun hatte, sondern in wüste Beschimpfungen der einzelnen Lager aufging.

Ich verfolgte das ganze Szenario zu Beginn eigentlich mehr oder weniger aufmerksam. Die Piraten hier, der olle Kimbel dort. Das FBI hier und die GEMA dort. Der neuste Streich der GEMA ist nun, die Gebühren für Clubs und Veranstaltungen mal eben auf ein Unermessliches anheben zu wollen. Völliger Blödsinn, wenn ihr mich fragt, und so wie es aus sieht der Todesstoß für viele Clubs, Festivals, Bierzelte, DJs, Live-Acts, Bands, Yogastudios und was weiß ich noch alles.

Auch hier gibt es wieder viel zu diskutieren im Netz. Auf Facebook werden Gruppen gebildet. es wird heiß getwittert und so weiter. Leider verläuft heute alles nach bestimmten Schemata ab. Erst passiert etwas Schlimmes. Dann stürtzen sich Presse und Öffentlichkeit darauf, berichten und diskutieren wie wild. Und dann schläft das Ganze ein und die Ursache bleibt. In Afrika sind also nicht weniger Menschen verhungert, und Joseph Koni ist immer noch frei und tötet Kinder. Unsere Mediengesellschaft ist mittlerweile mehr oder weniger handlungsunfähig. Leider.

Mein Opa hat mir früher beigebracht, dass Taten viel mehr zählen als Worte. Sich also im Internet über jeden Quatsch aufzuregen, macht aber auch gar nichts besser. Bei so manchem wäre es vielleicht sogar schlauer, er würde nicht jeden Senf von sich geben. Und ich meine natürlich nicht diese Kolumne hier. Die ist ja mittlerweile für die Gesellschaft unverzichtbar und zu einem Manifest für Freiheitskampf und Meinungsfreiheit geworden. Jeder, der was anderes sagt, ist ein Lügenschwein.

Kommen wir also zurück zu den Taten und den Meinungen. Habt ihr nicht auch gemerkt, dass all das Gehate und Geschimpfe im Internet zu nichts führt? Noch nicht mal das Fahrrad in China fällt davon um. Die französische Revolution ist auch nicht auf Facebook oder via App entschieden worden.

Lasst uns doch einfach zurück zur Ursache gehen. Warum all diese Maßnamen? Was ist  der Hintergrund? Fakt ist, dass es seit langem ein echtes Problem mit den Urheberrechten gibt. Einfach gesagt: Alles was im Internet landet, ist auf einmal freies Gut. Egal ob Fotos, Musik, Text, Pornos. Alles angeblich „for free“. In den Augen der Künstler, Fotografen, Produzenten und so weiter ist das ein Unding. Für den normalen User ist es praktisch und billig. Und hier kommen wir zum Problem. Diese Haltung ist von Grund auf falsch. Es ist eben einfach nicht richtig, dass Content im Internet allen gehört. Er gehört demjenigen, der ihn gemacht hat. Das Foto, das Lied, der Text … So einfach ist es. Das ganze Gerede nun von ACTA, GEMA, free Internet ist nur die Schlussfolgerung des einen, fehlgeleiteten Gedankens.

Leider ist das nicht mehr umkehrbar, denn warum soll der User auf einmal für etwas bezahlen wollen, wenn es jahrelang umsonst war? Und der Künstler hat, nachdem seine Tantiemen und seine GEMA-Abrechnung im Keller sind, die Nase voll und versucht, sich das Geld über seine Shows wieder zu holen. Ebenso denkt sich die GEMA wahrscheinlich: ‚Wenn für Künstler mehr als 250.000 Euro an einem Abend in Clubs gezahlt werden können, warum können die Clubs dann nicht auch mehr an uns zahlen?‘ Und ACTA wiederum denkt, dass alles komplett aus dem Ruder läuft und dass das per Gesetz gestoppt werden muss. Am besten gleich alle einsperren. Die User und die Künstler – dann ist wenigstens Ruhe. Oder auch nicht, denn dann geht ja wieder das Gelaber im Internet los und die Presse berichtet 24 Stunden live die nächsten zwei Wochen. Ändern wird das aber leider alles nichts.

Denn ändern können nur wir was, und ich sage das bewusst wie in einem billigen Hollywoodstreifen. Jeder kann nur bei sich selbst anfangen. Die Klugen und die Dummen müssen kapieren, dass im Internet Regeln aufgestellt werden müssen, damit nicht alles im Sumpf versinkt. Nicht Regeln die uns einschränken, sondern Regeln, die allen Gutes tun. Regeln, die Fotografen und Musikern nicht die Butter vom Brot nehmen. Und Regeln, die es schwer machen, Nazipropaganda und Kinderpornos einfach mal eben so hochzuladen. Und das fängt bei jedem Einzelnen an. Und zwar jetzt, denn es ist bereits fünf nach zwölf.

So, jetzt kommt noch dramatische Musik und dann das Ende. Und vielleicht noch ein Satz aus dem Freundeskreisalbum „Die Quadratur des Kreises“, der hier gut passt. „Wenn der Vorhang fällt, blick hinter die Kulissen, die Bösen sind oft gut und die Guten sind gerissen. Geblendet vom Szenario sieht man nicht, die wahren Dramen spielen nicht im Rampenlicht“

Euer Tom Novy

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