Marc DePulse – aus dem Leben eines DJs: Hilfe, ich brauche einen Manager!


 

Kein Künstler ist eine eierlegende Wollmilchsau. Um aber anno Neuzeit das erforderliche Profil des Allround-Talents zu erfüllen, kommt irgendwann der Wunsch nach einer helfenden Hand. Doch ab wann lohnt sich ein Manager wirklich und wann lenkt man seine Geschicke doch lieber selbst? Die Antwort darauf ist wie so oft: Es kommt darauf an! 

Hand aufs Herz: Brauche ich wirklich einen Agenten oder kann ich es selber machen? Die Frage beantwortet sich meist dann, wenn man aufgrund fehlender Zeit, mangelnden Know-Hows, einer beschränkten Anzahl an Kontakten oder schlichtweg einer amateurhaften Ausrichtung einen starken Partner an seiner Seite benötigt. Und auch hier wird sich – ähnlich wie beim Booking – die Gegenseite zunächst hinterfragen: Muss ich den Künstler erst aufbauen bzw. hat er überhaupt das Potential ein Großer zu werden? Der zu erwartende Output muss schließlich auf lange Sicht so stark sein, dass es sich für einen Dritten rentiert.

Für den Vollzeit-Kreativkopf ist es irgendwann unabdingbar, sich helfen zu lassen. Schließlich braucht man ja alle verfügbaren Antennen im Kopf, um die Glühbirne am Leuchten zu halten. Also werden Aufgaben wie Booking, Vertrieb oder Management outgesourct und ein Stück weit die Komfortzone ausgeweitet. „Sollen sich doch andere darum kümmern“. Doch kann schon das Wort Management schnell als Sammelbegriff missverstanden werden, kommt es doch immer darauf an, in welchen Punkten man wirklich Hilfe benötigt. Geht es nur um die Außendarstellung oder braucht der Künstler gar Hilfe beim Schnürsenkel binden? Künstler sind schließlich Freigeister, keine Bürokraten. Management kann daher alles umfassen. Von Abrechnung über Buchhaltung, von Vertragsgestaltung bis Tourbegleitung, Labelarbeit, Repräsentation, Vermarktung, Verwaltung der Online-Präsenz bis hin zur Social-Media-Betreuung. Das Ziel muss sein, dass man sich als Künstler fortan nur noch einer Sache widmen muss: seiner Kunst.

Viele Manager wachsen mit den Künstlern gemeinsam. Dabei sind einige jedoch sehr ertragsorientiert. Bei manchen Agenturen hat man das Gefühl, dass man nur so lange gut ist, so lange man die Cashcow im Roster ist. Da wo Erfolg herrscht, öffnen sich schnell viele Türen. Was aber mit Künstlern machen, die eine schwierige Phase durchleben? Wenn der Tendenz-Pfeil nach unten zeigt, die letzten Releases in die Hose gingen und der Gig-Kalender unangenehm leer ausschaut? Lässt man sie fallen? Nein, schließlich braucht es genau jetzt jemanden, der die richtigen Worte findet, motiviert, Lösungen generiert. Jemand, der gemeinsam zwei Schritte nach vorn geht, nachdem man den ein oder anderen zurück gemacht hat. Leider wird viel zu oft vergessen, dass dies auch part of the deal sein sollte.

Kaum ein Musiker startet mit einem Top-Hit und hält dieses Niveau über die Dauer seiner gesamten Karriere. Ich finde: Jeder sollte seine Geschicke einmal komplett selbst leiten, um schlichtweg ein Gefühl für den Aufwand zu bekommen, der dahintersteckt. Selbst einmal Demos versenden, Remix-Anfragen bearbeiten, Verträge machen, Abrechnungen schreiben, die Steuer machen, Kontakte knüpfen, sein eigenes Format mit allen Kosten und Risiken auf den Markt bringen. Eine Marke zu etablieren, braucht mehr als ein paar coole Tattoos. Sich zu verkaufen heißt verhandeln, sich durchsetzen, auch mal unliebsame Entscheidungen treffen, aber vor allem Erfahrungen sammeln und daraus zu lernen.

Denn wird man doch einmal fallen gelassen, hat man vielleicht ein vernünftiges Standing auf dem Markt, aber leider keine eigenen Kontakte und fängt bei Null an. Und dieser Weg ist ein beschwerlicher. Doch genau so hat jeder heute auch noch so große Act einmal angefangen. Sich etwas Eigenes aufbauen und es entwickeln. Ein: „Das kann ich nicht“ gehört nicht zum Wortgebrauch eines Selbständigen. Denn egal wie schwierig die Aufgabe auch sein mag, man kann alles lernen. Wenn man es will.

 

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Foto:
 Jörg Singer/Studio Leipzig