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Planet Xenbel von Xenia Beliayeva
Buch mich, Teil 3


Nachdem ich letzten Monat einen kurzen Ausflug zur Fashion Week gemacht habe, komme ich zurück zum Thema Booking. Schritt für Schritt zu deinem Traumclub, go, go, go! Setze dir Etappenziele. Überlege, was du verkörperst, was das besondere an dir und deiner Musik ist und wie man es noch besser Verkaufen kann.

Ziele setzen ist ganz wichtig. Künstler sein, ist kein Weg, den man alleine beschreitet. Durch konstanten Austausch mit deinem Label, deiner Agentur und Vertrauenspersonen, entwickeln sich Ideen. Deine Ideen werden reflektiert und irgendwann fangen Dinge an zu greifen. Die Leute, mit denen du arbeitest, brauchen Ansagen. Deswegen brauchst du einen Plan. Natürlich landest du nicht direkt im Berghain. Der Weg zum Traumclub hat viele Abstufungen und erfordert Geduld. Dein Wunschclub ist das Endziel und gleichzeitig dein Gegner. Wie kommst du dahin? Sagen wir mal, du bringst im Frühjahr ein Album raus, kann auch im Sommer oder nach dem Sommer sein, man muss nicht zu eng timen. Hauptsache, alles ist durchdacht und jeder weiß, was zu tun ist. Sobald das Ding fertig ist, geht die Arbeit, Promotionskampagne und Aquise los. Ab dem Zeitpunkt wird die Tour gebucht und nicht, wenn die CD veröffentlicht ist. Deswegen musst du vorab wissen, wohin du willst, deine Zielgruppe kennen und Recherche betreiben. Es ist natürlich schwer in den „richtigen“ Clubs gebucht zu werden, weil alle dort spielen möchten. Allerdings ist es immer so und sollte dich nicht abhalten. In den wenigsten Fällen geht dein Album sofort durch die Decke und öffnet dir alle Türen. Das gibt es zwar, aber es ist utopisch daran zu glauben. Du musst hart ackern. Jedes Rädchen im Team muss greifen. Was ist dein Gagenziel in Relation zu deinem Standing? Ist es stimmig? Jeder verdient anders, dem einen reichen 600 EUR pro Gig, der andere bewegt sich unter 3000 EUR nicht aus dem Haus, der andere ist überhaupt froh, wenn er bezahlt wird. Betriebswirtschaftlich gesehen fragt sich jeder Club, egal wo auf der Welt: Macht der Act mir die Bude voll, verdiene ich mit ihm Geld? Lohn sich das? Ist mir das Geld egal, leiste ich mir den Typen aus Prestige, weil ich den Sound mag und er mein Klientel zieht? Hast du letztes Jahr in einem Club für 500 EUR gespielt und in der Zwischenzeit ein paar aussagekräftige Veröffentlichungen und eine Entwicklung hingelegt, kann deine Agentur die Gage zur Albumtour anziehen. „Aber ich habe ihn doch letztes Jahr für 500 EUR gebucht!“ Und schon geht‘s los, die Leute fangen an über dich zu reden. Jetzt wird‘s Techno. Ab jetzt kostest du nämlich 900 EUR und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Verhandlungen zwischen Club und Booker werden nur dann weitergeführt, wenn du letztes Jahr einen super Eindruck hinterlassen hast, ein Garant für gute Musik und größer geworden bist. Das ist jetzt ein bisschen plakativ, aber trifft den Kern, so entstehen Zyklen. Natürlich wirst du in dem Laden nicht sofort für 900 EUR spielen, das wird der Veranstalter nicht schlucken. Du bekommst 700 EUR, aber du hast einen Fortschritt erlangt. Es ist wichtig für dich, dass du dort spielst, um deine Marke und dein Image zu festigen. In Trendsetter-Clubs spielst du auch mal umsonst, weil die Promotion, die aus dem Gig resultiert, mehr wert ist. Booking & Management ist ein Handwerk. Hier müssen Stück für Stück Dinge zusammengepuzzelt und eine klare Linie verfolgt werden, sonst funktioniert es nicht.

Viel Glück mit deiner Karriere!
Deine Xeni

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FAZEmag 031/09.2014